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Eine Leseprobe aus:
Tierisch - menschlich, Textsammlung
(Creativo; Hella Lach)
Rettung um Mitternacht
Ich habe dich beobachtet. Schon den ganzen Tag.
Ich habe mir Gedanken gemacht, ob du es schaffen wirst, dich aus
deiner verzwickten Lage zu befreien. Du hast mich auch gesehen.
Kein Zeichen von dir: Ich brauche Hilfe.
Na, wenn du mir nicht zeigst, dass ich dir helfen soll, tut es mir
leid.
Ein wenig Entgegenkommen solltest du schon zeigen.
Du scheinst mir keinesfalls in Panik, selbst als du abrutschtest.
Natürlich, ich sah dich hin und her rennen.
Aber ich sah wirklich keinen Grund, dir zu helfen.
Kurz vor Mitternacht sah ich dich wieder ganz ruhig da liegen.
Ich will nicht aufdringlich sein. Nein, wirklich nicht.
Aber ich habe Mitleid mit dir. Wenn ich das nächste Mal diesen
Ort aufsuche, werden wieder viele Stunden vergangen sein.
Also überwinde ich meinen Widerwillen, dich anzufassen.
Ich strecke dir meine Hand entgegen. Sofort nimmst du mein Angebot
an.
Über meinem Finger entschwindest du kleines achtbeiniges Ungeheuer
aus meinem Bidet in den Flur ohne ein Dankeschön!
Na warte, wir werden uns schon wiedersehen.
Spinne du dir nur ein neues Netz!
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