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k Ralph Schneider

Zeitungsberichte aus der Walsroder Zeitung

zu Lesungen und Ausstellungen im Atelier "Jottwedee"

im November 2008

9.November 2008

Kunst im Kasten - Objekte und Assemblagen

Ellinghausen (si).Im August diesen Jahres fand die Künstlerin Anna Marianne Sidenstein-Berwig bei einem Waldspaziergang Weggeworfenes, Zurückgelassenes in großer Menge. Nach langem Rätselraten fand sie die Lösung. Der vorausgegangene Düshorner Flohmarkt hatte seine Entsorgungsspuren hinterlassen.

Entsorgte Gegenstände vom Düshorner Flohmarkt dienten als Grundlage für die Kunstwerke

Da lagen nun liebevolle Dinge, versteckt hinter Bäumen zwischen Ästen und Laub auf dem Waldboden. Rund 400 Kleinteile, angefangen vom Inhalt eines Überraschungsei über Spielzeug, Dekorationsgegenstände bis zu Fragmenten einer Porzellanpuppe. Anna Marianne Sidenstein-Berwig, die in Ellinghausen/Düshorn die Galerie „Jottwedee“ führt, bediente sich des Fundes. Wusste sie doch um die künstlerische Tradition, die im ersten Viertel des letzten Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Braque und Picasso entwickelten Objektfragmente des täglichen Lebens. Auch die Künstler des Surrealismus führten die Objektkunst fort. Eine Renaissance dieser Kunstrichtung erfolgte durch den amerikanischen Künstler Robert Rauschenberg.
Anna Marianne Sidenstein-Berwigs Objektkunst emanzipiert sich von dieser Tradition und entwickelt ein eigenes Vokabular zum Objekt trouve, wobei Abgegriffenes und Entwertetes ihre Stimulanz ist. Die kleinformatigen Assemblagen präsentieren sich zurückhaltend, ziehen den Betrachter durch schlichte Fragilität und phantasievoller Poetik in Bann.
Sie verblüffen oder amüsieren durch ungewohnte oder paradoxe Materialkombinationen.
Anna Marianne Sidenstein-Berwig führt die vielfältige, plastische und ästhetische Qualität vertrauter Gegenstände vor Augen und schärft so die Sinne des Betrachters für die Mehrdeutigkeit trivialer Objekte.
„Das Atelier ist die Welt eines verspielten Geistes, der nichts als gegeben hinnimmt und immer noch etwas hinter den Dingen aufspürt“, betont Anna Marianne Sidenstein-Berwig. Spielerisch führt die Künstlerin mit ihren entstandenen Objekten vor, welches ästhetische Potenzial „Abfall“ innewohnt. Nicht das Machen von Kunst, sondern das Entdecken von Kunst ist Ausgangsbasis für ihre Objekte, die die berühmte Äußerung Picassos: „Ich suche nicht, ich finde.“ in überzeugender Weise veranschaulichen.
Zu sehen sind die Werke von Anna Marianne Sidenstein-Berwig in der Galerie Jottwedee in Ellinghausen zum „Tag der offenen Tür“ am 23. November und weiterhin bis zum 30. November täglich von 16 bis 18 Uhr.


19. November 2008

Kunst im Kasten: Funde in neuem Licht

Objektkunst von Anna Marianne Sidenstein-Berwig
Ausstellung ab Sonntag, 23. November
Am 23. November, 17 Uhr, zeitgleich mit der Lesung, aus Werken von Kurt Tucholsky eröffnet die Galerie jottwedee eine Ausstellung „Kunst im Kasten, Objekte und Assemblagen“.

Vom Müll zum Kunstobjekt: Anna Marianne Sidenstein-Berwig zeigt Objektkunst aus gefundenen Alltagsgegenständen.

Sie wurden gefertigt aus Fundstücken die Anna Marianne Sidenstein-Berwig im August 2007 in großen Mengen in einem Waldstück bei Düshorn fand.
Zerbrochenes, Zurückgelassenes, Fragmente eines Porzellanengels, billiges Einwegspielzeug und vieles mehr. Der vorausgegangene Düshorner Flohmarkt schien des Rätsels Lösung zu sein.
Düshorn/Ellinghausen.
Die Objektkunst nahm bereits ihren Anfang im ersten Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Braque und Picasso entwickelten Objektfragmente des täglichen Lebens. Auch die Künstler des Surrealismus und der Renaissance führten die Objektkunst fort. Anna Marianne Sidenstein-Berwig entwickelte ihr eigenes Vokabular zum „objekt trouve“ in phantasievoller Poetik und ästhetischer Qualität.
Zu entdecken sind neue Weiten: Industriell gefertigte Gegenstände, nun isoliert von ihrer eigentlichen Funktion, die unter den Händen der Künstlerin eine neue Bedeutung erhalten. Eine bizarre Abstraktion prägt durch Einbeziehung eines farbigen Hintergrundes das zerbrochene Kruzifix. Ein kurzes Soldatenleben auf schwarzem Hintergrund in aggressiver Ambivalenz Hoffnung und Warnung in der Endlichkeit eines Porzellanmedaillons: „Apotheose eines Soldaten“.
Wie das Grauen kann sich aber auch der Witz in den banalsten Dingen verbergen. Anna Marianne Sidenstein-Berwig versteht es, jeden beliebigen, verbrauchten Gegenstand eine eigene Sprache zu geben: eine kleine rote Gipshand, die Schmucknadel als Barett integriert in die Zeichnung eines Clochard, mit dem Titel „Die leisen Töne der Hoffnung“. In der Objektinstallation „Bitte anschnallen“ wird ein Spielzeugflieger eingesetzt, der als Landebahn den Arm einer Schattenspielfigur benutzt. Bei einem. anderen Objekt ist der Materialcharakter in keiner Weise beschönigt, sondern seine markante Wirkung auf die Spitze getrieben. So präsentiert sich beim „Fegefeuer“ die kalte Hässlichkeit eines Feuertürchens mit einer sarkastischen Öffnung.
Die Ausstellung ist in der Zeit vom 23. bis einschließlich 30. November täglich von 16 bis 19 Uhr in der Galerie zu besichtigen.

 

26.November 2008

Müll wird zu paradoxer Kunst

(sl) Vor Beginn der Lesung von Horst von Hassel zu dem Leben und Werk
Kurt Tucholskys in der Galerie „Jottwedee" in Ellinghausen präsentierte die Künstlerin und Galeristin Anna Marianne Sidenstein-Berwig am vergangenen. Sonntag ihre neuen Kunstobjekte und Assemblagen als „Kunst im Kasten" vor zahlreichem Publikum. „Die große Überschrift müsste lauten 'Achtsamkeit', denn die Achtsamkeit geht uns verloren, die Achtsamkeit vor Hab und Gut des Anderen. Die Achtsamkeit vor sich selbst. Wegwerfen, Müll zurücklassen, Menschen zurücklassen, die unbequem geworden sind.

„Kunst im Kasten gibt Anstöße zum Nachdenken", sagt die Künstlerin Anna Marianne Sidenstein-Berwig über ihr Werk, das sie in Form von rund 400 Kleinteilen, angefangen vom Inhalt eines Überraschungseis über Spielzeug, Dekorationsgegenstände bis zu Fragmenten einer Porzellanpuppe im Wald gefunden hatte und in Schaukästen zu verblüffenden, amüsanten und ungewohnt paradoxen Materialkombinationen und Bildern gestaltete. Jede Assemblage erzählt eine Geschichte, ein Gedicht, lädt den Betrachter auf eine bizarre Entdeckungsreise ein.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 30. November täglich von 16 bis 19 Uhr.

 

Galerie zeigt Bilder von Schülern

Ellinghausen. Bei der Ausstellungseröffnung anlässlich des Weltkindertages mit Bildern der Schüler der Ludwig-Rahlfs-Schule in Düsholm versprach Künstlerin Anna Marianne Sidenstein-Berwig zwei Dinge: Eine Wiederholung der Ausstellung in der Galerie jottwedee am ersten Adventssonntag und ein neues Märchen über Pelle, den Elch. Beide Versprechen wird sie am Sonntag, 30. November, um 15 Uhr einlösen.

Zusätzlich zu den im September ausgestellten Bildern der zweiten Klassen werden am ersten Advent Bilder der vierten Klassen der Ludwig-Rahlfs-Schule zu sehen sein. Die Schüler haben im Rahmen einer Klassenfahrt nach Spiekeroog eifrig gemalt, um der Künstlerin eine Freude zu machen. Es sind farbenfrohe und lebendige Werke dabei herausgekommen, die die Fantasie und Kreativitát der Kinder widerspiegeln.
Die Eröffnung der Ausstellung ist um 15 Uhr. Anschließend wird Anna Marianne Sidenstein-Berwig drei Märchen für große und kleine Kinder lesen. Alle Gäste dieser Veranstaltung haben freien Eintritt.

 

"Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen"

Horst von Hassel beleuchtet das Leben von Autor, Jornalist und Zeitkritiker Kurt Tucholsky


„Das Leben ist gar nicht so, es ist ganz anders.“ Das sind Gedanken des berühmten Dichters Kurt Tucholsky. Rund hundert Besucher ließen sich am vergangenen Sonntag von Horst von Hassel für Tucholsky begeistern. In einer Lesung in der Galerie Jottwedee in Ellinghausen präsentierte er eine subjektive Auswahl von Texten und eigenen Interpretation zu Leben und Werk des bekannten Dichters. Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von Sigrun Tempel am Klavier.

Näherte sich Kurt Tucholsky: Horst von Hassel begeisterte wiederholt sein Publikum in der Galerie "Jottwedee"

Ellinghausen (sl). Kurt Tucholsky, 1890 in! Berlin geboren und am 21. Dezember 1935 in Göteborg verstorben, zählte zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik. Als politisch engagierter Journalist und Mitherausgeber der Wochenzeitschrift „Die Weitbühne“ wurde er bekannt als, Gesellschaftskritiker. Zugleich war er Satiriker, Kabarettautor, Liedtexter, Romanautor und Lyriker, Pazifist und Zeitkritiker, Gegner von Nationalismus und Militarismus. Pseudonyme wie Kasper Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger oder Ignatz Wrobel waren ihm zuzuschreiben. Grundlage der Lesung von Horst von Hassel bot der Roman von Gerhard Zwerenz: „Gute Witwen weinen nicht“.

Mit Prosatexten und Gedichten zu den unterschiedlichsten Aspekten zeichnete von Hassel ein Bild eines Autoren, der den Menschen mit seinen Texten oft einen Spiegel vorhielt. Horst von Hassel spannte den Bogen zwischen politisch-sozialkritischem Engagement des Dichters und dem Exil, der Liebe sowie dem Tod. „Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen“ schrieb Kurt Tucholsky. In Hindas (Schweden), wo er seit 1929 lebte, hieß er nur der Doktor, Gertrude Meyer, seine Gefährtin der letzten Jahre, nannte ihn Peter. Da waren aber auch Frauen wie Lisa Matthias, oder „Nuuna“ Hedwig Müller, die ihm Kraft gaben. „Er verspottete die Suche nach Idealen als Weltfremdheit und suchte selbst danach. Er behauptete, keine großen Ansprüche an die Menschen zu stellen, und stellte die höchsten. Er gab sich kühl und rational und wurde doch oft seiner Gefühle nicht Herr“, schreibt Zwerenz.
Im zweiten Teil der Lesung erinnerte Horst von Hassel mit Texten und Gedichten an den Pazifismus des Dichters, sozialkritisches Gedankengut, verbunden mit fordernder Satire, standen im Vordergrund. Horst von Hassel verwies auch auf einen Missbrauch des Dichternamens. „Im Oktober 2008 wurde im Internet das Gedicht „Wenn die Börsenkurse fallen“ fälschlicherweise .Kurt Tucholsky 1930 zugeschrieben. Der ursprüngliche Text aber befindet sich auf der Webseite eines gewissen Richard G. Kerschhoffer, der öfter für die deutlich rechts angesiedelte, österreichische Zeitschrift die Zeitbühne schrieb und mit der FPÖ sympathisiert."
Für die Zuhörer war ein Ausspruch Tucholskys eine Ermunterung zum Abschied nach einer spannenden, amüsanten, wie auch nachdenklichen Lesung: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein!"