
Necrophilic love letters around this world
oder Wenn die D-Saite reißt ...
Manches lässt sich schwerlich mit der Sprache
der Erwachsenen ausdrücken. Und so greift man zu Kindererzählungen
oder Metaphern aus der Märchenwelt. In knappen und präzisen
Formulierungen, wie eine Nachrichtensprecherin, erzählt Ingrid
Hammer von einer Welt, die voll mit bedrohlichen und skurrilen
Existenzen bevölkert ist. Sie offenbart uns den Wahnsinn
im gewöhnlichen Alltag, an den sich viele von uns schon längst
gewöhnt haben.
"Starren Sie zum Abendstern, das ist die Venus, unermüdlich.
Niemand merkt es."
Angesichts dieses Karnevals der Gefühle empfindet die Autorin
Fremdheit, Bedrohung und Erstaunen. Ihre kurzen witzigen Zeilen
wirken wie Slapsticks eines Marx-Brothers-Streifens oder wie Comicblasen.
Alltagssituationen werden von ihr neu zusammengestellt und interpretiert
und aus ungewohnten Blickwinkeln beleuchtet.
Zuletzt kurz zum Titel, der durchaus ein psychedelischer Titel
von den Beatles sein könnte - "Necrophilic love letters
around this world" bezieht sich auf die Sehnsüchte vieler,
geliebt zu werden, ohne die Fähigkeit zu haben, andere zu
lieben. Obwohl der Grundton des Textes eher düster ist, beendet
Ingrid Hammer ihre Erzählung offen und vieldeutig, lässt
dem Leser doch einen Schimmer Hoffnung:
"Und doch, wie schön, würden wir noch einmal davonkommen."
Die Texte sind mit Farbgrafiken von Michael Touma
im Stil von Comiczeichnungen bebildert und ergänzen den skurrilen,
an Nuancen reichen Text.
Ingrid Hammer:
Wenn die D-Saite reißt. Leipzig: Toumaart 2006, 64 S.;
Preis 21,00 Euro (- - - )
Leseprobe
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