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Eine Leseprobe aus:
Erotik und Sexualität im Witz
Motive, Funktionen und Inhalte
Mit zahlreichen Beispielen
(Dr. Walter Kiefl)
Vorbemerkung
Das vorliegende Buch bezieht sich auf einen früher erschienen
Sammelband über erotische Phantasien und kann in gewisser Weise
als dessen Ergänzung betrachtet werden (*1), besteht doch eine
Gemeinsamkeit von erotischen bzw. sexuellen (*2) Witzen (*3) und
erotischen Phantasien darin, dass es sich bei beiden um (im allgemeinen
relativ harmlose) Manifestationen des Drangs handelt, sich unter
der Erfordernis gesellschaftlicher Triebkontrolle zumindest in Gedanken
mit sexuellen Themen zu befassen. In Anbetracht der für ein
(möglichst) konfliktfreies menschliches Zusammenlebens unumgänglichen
Frustration sexueller Wünsche und Strebungen leisten Witze
ähnlich wie Phantasien einen Beitrag zur Aufrechterhaltung
der gesellschaftlichen Ordnung. Insofern erfüllen sie ebenfalls
Ventilfunktionen, doch geht es dabei weniger um eine individuelle
Spannungs- und Frustrationsbewältigung als um die Wahrnehmung
kollektiv gebotener Möglichkeiten dazu (*4). Dabei ergeben
sich die meisten Berührungspunkte mit den sog. Ventil-Phantasien
(Kiefl/Soussaine 2006, S.30 ff.), also mit Vorstellungen und Bildern,
bei welchen den Phantasierenden die prinzipielle Nichterfüllbarkeit
bewusst ist und demzufolge auch keinerlei Realisierungsgedanke besteht.
Sowohl für sexuelle Phantasien als auch für sexuelle
Witze (und generell für sämtliche sozio-kulturellen Phänomene)
gilt, dass ein weitergehendes Verstehen durch Wertungen erschwert
wird, so dass in der vorliegenden Auswahl bewusst darauf verzichtet.
wurde. Es mag sein, dass einige Beispiele als ziemlich geschmacklos,
diskriminierend, zynisch, frauenfeindlich usw. empfunden werden,
doch hat es noch nie gut getan, die sich aus dem jeweiligen Zeitgeist
ergebenden Beurteilungen zum alleinigen Maßstab zu machen.
Eine pauschale Abqualifizierung als Zote bringt das
beklagte Phänomen nicht zum Verschwinden, sondern allenfalls
eine nüchterne Analyse der Gründe, warum ein wichtiger,
teilweise lustvoller aber zugleich auch ziemlich problematischer
Bereich menschlicher Existenz (auch) mit mehr oder weniger versteckter
verbaler Aggression behandelt wird. Bestrebungen, nicht ins Konzept
politischer (bzw. sexueller) Korrektheit passende Sachverhalte
zu negieren bzw. zu verdrängen mögen inzwischen auf vielen
Gebieten gängige Praxis sein, doch lohnt sich jeder noch so
kleine Versuch, solchen aus Opportunismus geborenen Versuchungen
zu widerstehen.
Beispiele:
24. Ein Langzeitarbeitsloser kommt vom Besuch beim Arbeitsamt
heim. Vor dem Haus ruft er seiner Frau durchs offene Küchenfenster
freudig zu:
Ich hab eine neue Stellung!
Die Frau schimpft:
Du Drecksau, such dir lieber eine Arbeit!
25. Ein Mann betritt ein Hutgeschäft:
Guten Tag, ich hätte gerne einen Hut.
Der Verkäufer bringt ihm einen.
Wie viel kostet der?
45 Euro.
Das ist mir zu teuer. Haben Sie keinen billigeren?
Wie wäre es mit dem? Der kostet 32 Euro.
Nein, der ist immer noch zu teuer. Gehts nicht noch
billiger?
Dieser Hut kostet 19 Euro. Das ist derzeit unser preiswertestes
Modell.
19 Euro ist mir zuviel Geld. Was günstigeres haben Sie
nicht?
Wie viel möchten Sie denn ausgeben?
Nun, 5 Euro wäre für mich die Obergrenze.
In dieser Preislage haben wir nur Zipfelmützen. Wollen
Sie eine?
Nein, es sollte schon etwas für den Kopf sein.
26. Ein Mann geht in ein Hutgeschäft und sieht sich
dort um. Im obersten Fach entdeckt er einen Hut, der ihm gefällt
und deutet darauf. Die Verkäuferin fragt ihn: Soll ich
Ihnen einen runterholen?
Ja gerne, aber den dritten Hut von links im oberen Fach möchte
ich auch noch haben.
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