|
|
Habiru

Rezension
"Habiru - die spannende und hintergründige
Traumreise einer Vierzehnjährigen zu den Wurzeln der modernen
Zivilisation...
Sarah aus Hamburg versteht die Welt nicht mehr. Sie geht Abends
zu Bett und wacht in Mesopotamien wieder auf - und das auch noch
rund 5.000 Jahre vor unserer Zeit. Von Hamburg ins Zweistromland
und wieder zurück nach Hamburg, immer wieder geschieht es -
im Schlaf, ohne ihr Zutun und doch ganz real. Es passiert immer
wieder, so dass sie bald ein Doppelleben in Hamburg und Mesopotamien
führt. Sie ist verwirrt und weiß nicht, ob es sich um
einen Traum oder eine mystische Reise des Bewusstseins handelt.
In ihren Visionen lernt sie Schena und ihr Volk kennen, die in vollkommener
Harmonie ein friedliches, erdverbundenes Leben führen. Mit
der Zeit entdeckt sie, dass der Sinn ihrer Reise darin liegt, die
uralten Verbindungen der beiden Welten zu erkennen, um das Denken
und Handeln in der heutigen Zeit beurteilen zu können. Von
entscheidender Bedeutung ist dabei die Ankunft der Habiru, gewalttätiger
Wüstennomaden, die genau zu dieser Zeit in Schenas Welt auftauchen;
während in Sarahs Welt der zweite Irak-Krieg beginnt...
Seit mehr als 25 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit
Weltanschauungen, Wissenschaft, Religionen und Kulturen - angetrieben
von der Frage "Warum ist die moderne Welt so lebensverachtend,
gewaltsam und materialistisch?" Ich bin heute überzeugt
davon, dass unsere derzeitige Lebensweise keine Zukunft haben kann
und das es die egozentrischen Werte sind, die uns so handeln lassen.
Jedoch frage ich mich immer noch: Warum sind gerade diese Werte
so machtvoll und alles beherrschend geworden? War es unvermeidlich?
Gibt es keinen Ausweg?
Ich glaube mittlerweile, dass der Mensch an sich die Fähigkeit
besitzt, mit Hilfe einer "Kultur der Ehrfurcht" seine
animalischen Erbanlagen zu überwinden. Das beweisen u.a. die
Überlieferungen historischen Völker, bei denen viel mehr
die gemeinnützigen Werte das Denken und Handeln bestimmten.
Dirk Gerhardt ist gar der Meinung, dass solch eine Kultur in höchster
Vollendung vor vielen tausend Jahren bereits existiert hat. In "Habiru"
hat er sie auferstehen lassen. Meine Frage nach dem "Warum"
kann er für mich nicht überzeugend beantworten. Es ist
ihm jedoch ausgezeichnet gelungen, eine wahrhaft demokratische Gesellschaft
glaubhaft zu beschreiben und sie schonungslos und punktgenau mit
unseren kapitalistischen "Schein-Demokratien" ins Verhältnis
zu setzen. Allein das macht "Habiru" unbedingt lesenswert!
Unsere verzwickte, hochkomplexe Zivilisation fegte alle "schwachen
Kulturen" hinweg und scheint keine andere Lebensweise mehr
zuzulassen. Ist das "Recht des Stärkeren" nun unser
unvermeidliches Schicksal oder befinden wir uns nur in der "Sturm-
und Drangzeit" unserer Entwicklung? Gerade heute gibt es immer
mehr Menschen, die sich für eine menschenwürdige Zukunft
engagieren. Menschen wie das Mädchen Sarah, die wieder auf
den Grund der Dinge blicken, die Zusammenhänge suchen und die
sich nicht mehr blenden lassen wollen. Das macht Hoffnung! Vielleicht
ist die Zeit endlich reif für den Sprung zum "wahren Menschen"?!
Darum lasst uns die menschlichen Werte pflegen, um das zerstörerische
Erbe der Habiru endgültig zu überwinden!"
Frank Baldus
Norderstedt: Books on Demand GmbH 2005, 258 S.;
Preis: 15,90 Euro (978-3-8334-2859-3)
Leseprobe
zurück
|