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Monika Adolph Leen Aloh Werner Betz Anneliese Blacha Melanie Buhl Dorothea Christian Richard Erren Dirk Gerhardt Dietrich W. Grobe Hartmut Grosser Ingrid Hammer Brigitte Isensee Friedesine Strüver Walter Kiefl
Hella Lach Norbert Lang Johanna G. Lenz Sarina M. Lesinski Gerhard Ludwig Barbara Merten Alexandra Pfister Ralph Schneider Michaela Schreier Gudrun Strüber Manuela Tietsch Michael Touma H. D. Viel Dagmar Westphal

Michaela Schreier Anneliese Blacha H. Dieter Viel Gudrun Strüber Alexandra P. Pfister Johanna Gerlinde Lenz Walter Kiefl Ingrid Hammer Hartmut Großer Leen Aloh Hella Lach Melanie Buhl Dietrich W. Grobe Siegfried Eisfeld Michael Touma Manuela O. Tietsch Ralph Schneider Hanna Jüngling Dagmar Westphal Gerhard Ludwig Dorothea Christian Sarina  M. Lesinski Dirk Gerhardt Norbert Lang Monika Adolph

 

 

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Eine Leseprobe aus:
Kontaktaufnahme
Die schwierige Annäherung
Versuch einer Bilanz
(Charlotte G. Hölling / Walter Kiefl Hrsg.)

Walter Kiefl: Macht Flirten Spaß? in: Charlotte G. Hölling/ Walter Kiefl (Hrsg.): Kontaktaufnahme. Die schwierige Annäherung. Versuch einer Bilanz. Wiesbaden: Escritor 2001, S.130-132


Hohe Hürden für die Männer und geringe Transparenz für alle zeitigen Folgen, unter welchen auch Frauen zu leiden haben: Abgesehen von der Notwendigkeit, unerwünschte Kontaktversuche abwehren zu müssen und den geringen Chancen zum Kennenlernen von - vielleicht gar nicht so uninteressanten - zurückhaltenden und sensiblen Partnern ergeben sich für Frauen generelle Nachteile, wenn aktives und initiierendes Verhalten zu wenig eingeübt wird. Hinzu kommt ein erhöhtes Risiko, Opfer von Täuschungen zu werden: Da für viele Männer die Gelegenheiten für heterosexuelle Kontakte eher rar und die damit verbundenen Mühen hoch sind, werden manche davon - sowie sie nur eine Chance sehen - teils voreilig und gedankenlos, teils berechnend, "Kröten schlucken", indem sie kurzzeitig ein ihrer wirklichen Beteiligung nicht entsprechendes Engagement heucheln. Viele Frauen wundern sich dann über das mitunter recht abrupte Abflauen der Begeisterung oft schon nach dem ersten Koitus. Niedrigere Hürden bei der Kontaktaufnahme (nicht bei der Gewährung von Intimitäten) und mehr Transparenz im Prozess des miteinander Vertrautwerdens könnten dagegen zu bewußteren und stabileren Entscheidungen füreinander (oder für einen Abbruch) führen.

Hier scheint die von manchen Kulturkritikern skeptisch betrachte schöne neue Computerwelt Lösungen zu liefern (dazu z.B. REUTER 1994; POOTH 1999; CABA 2000; SOUSSAINE 2001a), indem sie Kontakte ermöglicht, bei welchen - da man zunächst anonym bleibt - die Angst vor Gesichtsverlusten minimal ist, was der gegenseitigen Ehrlichkeit zugute kommt. Jemanden, dem z.B. bestimmte politische Anliegen, ausgefallene Hobbys oder bizarre Sexualpraktiken sehr wichtig sind, kann diese ins Zentrum seiner Bewerbung stellen und auf Resonanz hoffen. Da der Markt riesig ist, und man - im Unterschied zur konventionellen Kontaktanbahnung - bereits in der Anfangsphase durch Aufrichtigkeit gewinnt (und nicht verliert), haben auch Außenseiter, Gehemmte, schlechte Selbstdarsteller, Trauerklöße, Grübler und andere bislang Benachteiligte gute Chancen, Interesse zu erwecken, ins Gespräch (bzw. ins chatten) zu kommen und so wenigstens die erste Auswahlrunde unbeschadet zu überstehen. Auf diese Weise lassen sich ohne großen Streß gemeinsame Interessen, fruchtbare Divergenzen und wichtige Sehnsüchte entdecken, die Lust auf ein für beide unbelastetes persönliches Zusammentreffen machen, bei dem dann persönliche Sympathie hinzukommen kann - oder auch nicht. Am Anfang stehen jedenfalls nicht Maskerade, Schauspielkunst, seichtes konformistisches Geplauder, affektiertes Getue und die Furcht vor verletzender Zurückweisung, sondern das wechselseitige Wissen um Anliegen, Sehnsüchte und Bedürfnisse.

Die wachsende Beliebtheit der Kontaktanbahnung mit Hilfe der neuen Informationstechnologien kann demzufolge auch als Indiz dafür gesehen werden, daß viele und insbesondere ernsthaftere Menschen den traditionellen und zum großen Teil auf Verstellung beruhenden Wegen der Selbst- und Partnervermarktung mißtrauen. Das individuelle und gemeinsame Wohlbefinden in einer immer schwierigeren Umwelt ist zu wichtig, um es allein von ersten Eindrücken, Äußerlichkeiten und manipulierbaren Gefühlen abhängig zu machen. Dennoch sollte man sich nicht zuviel Hoffnung auf eine grundlegende Änderung machen, wäre doch mehr Ernsthaftigkeit und Tiefe beim Eingehen von Kontakten den maßgeblichen (d.h. ökonomischen) Interessen abträglich. Ohne die üblichen Restriktionen und Strategien der Kontaktaufnahme bestünde für die Beteiligten nämlich wenig Veranlassung, sich auf die gängigen und mehr oder weniger kostenintensiven Umwege (z.B. Aufsuchen von Treffpunkten, Einüben entsprechender Kulturfertigkeiten wie Tanzen, Erlernen "witziger" Anmacherphrasen in Flirtschulen und vor allem der Erwerb teuerer statuserhöhender Produkte) einzulassen: Hersteller und Vertreiber prestigehaltiger Waren und Dienstleistungen oder Betreiber kommerzieller Begegnungsstätten (z.B. Discotheken, "In-Kneipen", Kontaktcafes), die vom Geschäft der (wenn auch oft nur temporären und illusionären) Einsamkeitsüberwindung profitieren, hätten dann spürbare Einbußen zu verzeichnen. So wundert es auch nicht, daß z.B. die offene (für viele allzu offenen) Anmeldung erotischer und sexueller Interessen (etwa in eindeutigen Kontaktanzeigen) überwiegend negative Bewertungen erfährt und entsprechende Offerten weithin als "ordinär" geächtet werden. Eine allgemeine Weigerung, weiterhin den letztlich über Konsum und Kommerz führenden Umweg zur kommunikativen, erotischen und/oder sexuellen Erfüllung zu gehen, würde sich in erheblichen volkswirtschaftlichen Verlusten auswirken. Die durch das Prinzip des geringsten Interesses garantierten und verinnerlichten Kontakt- und Kommunikationsbarrieren erfordern (zu bezahlende) Hilfsmittel zu ihrer Überwindung. Der Gewinn für das allgemeine Wohlbefinden, z.B. auch als unverkrampfteres Verhältnisses der Geschlechter zueinander, wäre da wohl nur ein bescheidener Ausgleich.


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Dr. Walter Kiefl