Mein sechstes Jahr auf der Leipziger
Buchmesse - dieses Mal bereits Ankunft am Mittwoch, einen Tag vor
Beginn - empfehlenswert.
Ohne verabredet zu sein oder noch telefoniert zu haben, sind Walter
und ich punktgenau an der Rezeption vom Campingplatz Auensee eingetroffen.
Nachdem wir unsere Bungalows in Augenschein genommen hatten, unternahmen
wir einen Spaziergang rund um den See, mit einer entspannenden Einstimmung
plus Cappuccino auf sächsische Art. Mittlerweile waren Gudrun
und Manfred per Auto eingetroffen.
Der erste Ausflug zur Messe mit einer leichten zusammen helfenden
Aufbauaktion. Wie in einem Räderwerk nahm der Stand von Creativo
und Fabuloso Gestalt an. Ein herzliches Hallo mit Werner Schmid vom
Wiesenburg Verlag direkt nebenan, bei dem pünktlich zu Messebeginn
mein Buch Zauberhaftes New York erschienen ist. Von Walter
über Gudrun gelangte ich vor zwei Jahren zu ihm und so zu Creativo.
Insofern möchte ich mich kurz als Norbert Lang vorstellen. Ein
wunderbares Gefühl der Segnung, des Empfangs, das Buch in Händen
zu halten. Die Tage danach wurde mir bewusster, dass das größte
Glück darin liegt, dass es über meine Stadt der Liebe -
New York - hier steht.
Nach Hause Johann* - Manfred fiel der tägliche Chauffeur-Job
zu, den er glaube ich auch gerne ausgeübt hat.
Um jetzt nicht jeden Tag für sich zu beschreiben, ein paar kurze
Eindrücke der Erinnerung. Atmosphäre entsteht ja in erster
Linie durch Menschen und dies ist mir in Leipzig aufgefallen: dass
sie hier einen willkommen heißen und dies nicht nur zur Buchmesse.
Viele neue Begegnungen, so einige vertieften sich. Hanna, mit der
ich den Stand mal von außen gegenüber, mal von innen heraus
all das Geschehen betrachtete. Gerlinde saß am Webstuhl, Dorothea
und Gudrun hinter dem Präsentationstisch in Erwartung der zahlreichen
Besucher. Plötzlich tauchte Dagmar auf, die viel lachte - auf
dieser lustigen interessanten Tour in der obligatorisch überfüllten
Straßenbahn. Leider ist sie abends nach der Lesung in der Südstadt
gleich wieder abgefahren. Im Literaturcafé Shakunda las sie
als Genoveva aus ihrem Buch Der Weg nach innen
und Hanna aus ihrem Tee und Geige; Gudrun begleitete und
ich als einziger Mann unter den vielen anwesenden Frauen im Auditorium
- durchaus angenehm - zu Beginn nur, denn Werner Schmid sandte mich
in einen Loft über den Dächern von Leipzig - zu einer Lesung
in die Südsee.
Mit Walter war ich viel zusammen, das festgehaltene Foto - sitzend
im Creativo-Stand - zeigt uns idealtypisch und es wurde ja immer sehr
spät bei unseren Gesprächen. Nun reiste er auch schon früh
ab, ich dagegen erhielt meine zwei zusätzlichen Nächte vom
Campingplatz, wie zuvor bestellt. Danke! Wunderbare Erlebnisse, die
im Schlösschen Gohlis mit den Autoren vom Wiesenburg Verlag zu
Ende gegangen sind - stop - die Frühstücke zusammen via
Hanna und Gudrun zubereitet, rundeten den jeweils beginnenden Morgen
ab.
Ich muss gestehen, die Produktion meines Buches hatte Spuren hinterlassen
- insofern erschöpft, doch hätte ich früher gewusst,
dass ich mit einem Bericht beauftragt werde, hätte ich den Notizblock
zu Rate gezogen. Anders als bei früheren Messebesuchen war ich
so mehr mit dem Geschehen lassen beschäftigt und
in die Gespräche mit Hanna vertieft.
Aufgefallen ist mir dieses Jahr, dass sich die Leipziger Buchmesse
räumlich nach Osten erweitert hat. Zwei diagonal verlaufende
sog. skywalks zu den jeweils gegenüberliegenden Hallen
durchbrechen die sonst bestimmende architektonische Geradlinigkeit.
So spielte sich ein buntes Leben gerade in diesem Bereich ab - die
unübersehbaren Mangas die
dominieren wäre
nicht das richtige Wort eher
nachhaltig prägen. Jugendliche,
die einem überall in jeglichen Facetten und phantasievollen Verkleidungen
begegnen - von zart bis hart möchte man sagen. Wenngleich sie
weniger lesen mögen, so ist mit ihnen doch eine eigene Kultur
entstanden - ein Spiegel unserer Zeit, von dem was wir gegenwärtig
sind? Vielleicht stellen sie nur eine Zeiterscheinung dar, doch beeindruckend
finde ich deren gesteigerte Kreativität, mit der sie sich miteinander
- unübersehbar - ausdrücken, angefangen von Kostümen
im Hochzeitsgewand bis zum Flanieren á là Ludwig XIV
Stils. Ich finde dies lässt hoffen
und bemerkenswerterweise
hatten sie ihren Teil der Halle direkt neben den Verlagsständen
für Bildung.
Leipzig und Buchmesse - Menschen die eine Atmosphäre der Freundlichkeit
erschaffen, die Offenheit miteinander zu reden, mit einer leichten
Brise Erotik gewürzt. Ich überlege, ob der Auensee nicht
ein geeigneter Treffpunkt für eine Creativo-Sitzung wäre.
Was meint ihr?
*ein geflügeltes Zitat aus der ARD Fernsehserie
Graf Yoster gibt sich die Ehre (1967 - 76). Dieser war
ein passionierter Kriminalschriftsteller, unterwegs mit seinem Fahrer
Johann; dem erfolgreichen Abschluss eines jeden Falls folgten stets
obige Worte.
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