Modern und intensiv
Oliver Steller stellt Hölderlin mit Musik vor
Mit seinem neuen Programm "Hölderlin - Echo des Himmels" hat der Gitarrist und Rezitator Oliver Steller das Publikum im Göttinger Cinema beeindruckt.
Mucksmäuschenstill ist es im vollbesetzten Kinosaal des Cinema, als Oliver Steller den Gedichten und Briefen des Dichters Friedrich Hölderlin neues Leben einhaucht. "Echo des Himmels, heiliges Herz, warum verstummst du unter den Lebenden?"
An Stellers Seite der Saxophonist Bernd Winterschladen und der Bassist Dietmar Fuhr, die ihn musikalisch kongenial begleiten. Auf eine bewegende Reise durch das Leben und das künstlerische Schaffen Hölderlins nimmt Oliver Steller das Publikum mit, das bereitwillig mitgeht. Steller erzählt von Hölderlins Kindheit, seiner Jugend in der Klosterschule, seinen politischen und poetischen Träumen, seiner großen Liebe, einem Leben, das letztlich zum Scheitern verurteilt ist. Warum, wird auch an diesem Abend deutlich - Hölderlin war seiner Zeit weit voraus. Denn seine Verse sind modern und brisant.
Zwischen Höhen und Tiefen
Hölderlin, der 1770 in Lauffen am Neckar geboren wurde, verfasste Lyrik, die seine Zeitgenossen nicht verstanden. Als "rasend" wird Hölderlin bezeichnet und findet selten Anklang.
Steller erzählt, rezitiert, singt. Er vertont die Gedichte mal jazzig, mal improvisierend, mal nach Singer- und Songwriter-Art. Stellers musikalisches Konzept ist dabei vollkommen schlüssig und geht auf. Modern und intensiv kommen Hölderlins Verse herüber und beeindrucken durch ihre Sprachgewalt und emotionale Tiefe.
Oliver Steller geht nicht auf Distanz zum rezitiertem Werk Hölderlins, sondern lebt die Worte, die er spricht. Er webt die Verse gekonnt in seine musikalischen Kompositionen ein, die etwas Neues, etwas Zeitgemäßes und Unmittelbares ergeben.
Friedrich Hölderlin, ein Leben zwischen Höhen und Tiefen, zwischen "himmlischem Feuer" und "heiligem Leid". Oliver Steller gibt mit seinem neuen Programm dem Dichter seine Bedeutung zurück.Aus dem Eichsfelder Tageblatt Februar 2007 Birgit Nipkau