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Eine Leseprobe aus:
Lexikon Wellness, Gesundheit und Erholung
(Walter Kiefl)
........ Die durch positive Erfahrungen in der Vergangenheit geprägten
Umsatzerwartungen (Nach Schätzungen der Deutschen Zentrale
für Tourismus (DZT) von 2005 geben Wellness-Urlauber täglich
pro Person im Durchschnitt 150 bis 200 Euro aus) haben bei der Hotellerie
zu einer weiteren Zunahme der Angebote und der Anbieter geführt,
so dass es für die Gäste immer schwieriger, unter der
Vielzahl der Möglichkeiten das für ihre Bedürfnisse
ideale Wellnessangebot zu finden, denn "... nicht überall,
wo Wellness drauf steht, ist auch Wellness drin" (Birkenfeld
u.a. 2002, S.342) und manche weniger qualifizierte bzw. weniger
seriöse Anbieter tragen zur Unübersichtlichkeit bei (Ecker/Groll
2004). Die Vielfalt des Angebots und die große Anzahl immer
neuer mehr oder weniger kurzlebiger Trends könnten auch als
Hinweise auf eine allmähliche Marktsättigung verstanden
werden.
Eine aktuelle Internet-Recherche (Schubert 2006), die sich auf
frei und uneingeschränkt abrufbare Artikel aus dem Wellness-Fachbereich
zwischen Mitte 2004 und Ende 2005 stützt, d.h. auf Veröffentlichungen
auf Wellness-Portalen, in Hotel- und Spa-Branchenblättern,
entsprechende Studien usw,. die sich in irgendeiner Form mit Wellness
befassen sowie auf Online - Befragungen (z.B. Hanselmann u.a. 2007)
hat u.a. gezeigt:
- Optimismus: die Entwicklung der Wellness-Branche wird generell
günstig eingeschätzt.
- Qualität: es wird vermehrt die Forderung nach mehr Qualität
statt Quantität und nach Qualitätssicherung erhoben.
- Medical Wellness, d.h. der Verbindung medizinisch-therapeutischer
Leistungen mit vitalisierenden und entspannenden Maßnahmen
und Freizeitaktivitäten gewinnt an Bedeutung.
- Weitere Differenzierung: es gibt einen Trend zu immer aufwendigeren
und ausgefalleneren Angeboten um sich von der Masse abzuheben und
einer drohenden Sättigung vorzubeugen.
- Ganzheitlichkeit: Vermehrt wird auch der ganzheitliche Charakter
von Wellness betont, d.h. Schönheit, Erholung, Genuss und Aktivität
sind gleichermaßen wichtig. Passives Erleben (z.B. durch Massagen,
Saunabesuche, im Wasser planschen) soll von geeigneten gesundheitsförderlichen
Aktivitäten begleitet werden um zu einem ausgewogenen Verhältnis
von passiver und aktiver Entspannung zu gelangen.
- Neue Zielgruppen: Man bemüht sich vermehrt um Männer,
wobei in Hinblick darauf besonders die sportliche Komponente des
Wellnessbegriffs angesprochen wird. Auch Familien erscheinen als
neue Zielgruppe interessant, wenn auch die Hoteliers selbst hier
noch eine etwas traditioneller Haltung einzunehmen scheinen.
Transparenz und Qualitätssicherung
Wegen der großen und oft verwirrenden Angebotsvielfalt hat
der Verbund der Wellnesshotes Deutschland (W-H-D) 1997 zur Verbesserung
der Transparenz und Qualitätssicherung die geschütze Marke
"Wellnesshotel Deutschland" eingeführt, die seither
für eine gesicherte Qualität bürgt. "Wellvital"
als Qualitätsprogramm der Bayern Tourismus Marketing oder die
Qualitätsoffensive "Wellness-Stars Baden-Württemberg"
verfolgen mit ihrer klaren Ausrichtung der Angebote nach Rubriken
dasselbe Ziel. Weitere wichtige Adressen in diesem Zusammenhang
sind die Zusammenschlüsse "Deutscher Wellness Verband",
die "Wellness Hotels Deutschland", "Schlank und Schön
in Österreich", "Best Wellness-Hotels Austria"oder
"Belvita Alpine Wellness-Hotels". Schließlich sind
auch noch die umfangreichen Publikationen spezieller Wellness- und
Reiseführerverlage zu erwähnen, so z.B. der Relax-Guide
(Verlag Christian Werner, Wien), der Busche-Erlebnisguide (Wellness
& Beauty; Dortmund) oder die "Ausgewählten Wellness-Hotels
zum Wohlfühlen" (Freizeit-Verlag Landsberg), die Auszeichnungen
wie die "Wellness-Lilien" (Relax-Guide) oder die "Wellness-Aphrodite"
(Freizeit-Verlag) vergeben.
Nutzen und Grenzen eines "Wellness-Lexikons"
Das vorliegende Lexikon ist der möglicherweise etwas zu anspruchsvoll
angelegte Versuch, einen ersten Überblick über die große
Vielfalt der Therapien, Anwendungen und Varianten der Wellness-Angebote
im weitesten Sinne vorzulegen. Die Realisierung dieses Anliegens
sieht sich jedoch mit Schwierigkeiten konfrontiert, die zugleich
seine Berechtigung unterstreichen:
a) Begriffliche Unschärfe und Auswahl der Stichworte: Eines
der größten Probleme besteht in der bereits erwähnten
begrifflichen Unschärfe. Da das Streben nach Lebensfreude und
Wohlbefinden für viele Freizeitnutzer und Urlauber ein zentrales
Motiv ausmacht, könnte man eine ganze Reihe von Freizeitangeboten
und Urlaubsarten (z.B. Waldbodenlaufen, Wildkräuterwanderung
mit Kochkurs) unter der Kategorie "Wellness" zusammenfassen,
womit sich die Frage nach der Abgrenzung stellt. Da eine enge Definition
etwa im Sinne von "Medical Wellness" Wellness und Wellness-Urlaub
auf eine Reihe von medizinischen Behandlungen, Diätregeln,
Körperertüchtigungsprogrammen etc. bzw. einen abgespeckten
und modernisierten Kur-Urlaub reduzieren würde (und damit nur
indirekt dem eigentlichem Anliegen von Wohlfühlen
entspräche), ist die vorliegende Zusammenstellung darum bemüht,
nicht nur möglichst viele Angebote und Anwendungen aufzunehmen,
sondern auch Begriffe, die im Zusammenhang mit einem Wellness-Urlaub
auftreten können, aber nur einen mittelbaren Bezug dazu haben
oder auf psychologische und soziologische Erklärungen für
den Wellnesstrend verweisen (z.B. *Körperkult, *Nachhaltigkeit,
*Selbstvermarktung u.v.m.).
b) Unzureichender Konsens über Wellness und Wellnessangebote:
Beim Versuch einer fachlichen Definition der verschiedenen Begriffe
ergibt sich die Schwierigkeit, dass sowohl Autoren und Wissenschaftler
als auch Anbieter und Praktiker teilweise abweichende Festlegungen
und unterschiedliche Begriffe für dieselbe Sache verwenden
(z.B. "Handauflegen" oder "Therapeutic Touch";
"universale Lebenskraft", "Lebensenergie", "Reiki"
oder "Prana") bzw. die beschriebenen Sachverhalte und
Begriffe nicht eindeutig bestimmbar sind. Dies bedeutet - etwas
überspitzt ausgedrückt - dass jeder Autor, jeder Hotelier
und jede Schule hinsichtlich der Begriffs- und Theoriebildung schöpferisch
tätig sein kann (wobei sich hier auch Moden (*4) bemerkbar
machen), ohne eine Widerlegung befürchten zu müssen (*5).
Dies wird aber - im Unterschied zu "exakten", d.h. an
den Naturwissenschaften orientierten Disziplinen - nicht als entscheidendes
Problem gesehen, geht es doch dabei nicht primär um eine Erklärung
sondern um praktische Lebenshilfe: nicht die Exaktheit von Begriffen
und die Bestätigung von Theorien steht im Vordergrund, sondern
ein - nach Möglichkeit auch anhaltender - "Wohlfühlerfolg".
Auch wer sich bei (unschädlichen) Nonsense-Anwendungen
wie etwa einer Alphorn-Dusche wohlfühlt und entspannt, profitiert
davon. Wie soll auch ein interessierter Laie angesichts der Fülle
und Beliebigkeit von Bezeichnungen zu einer Abschätzung der
(subjektiven) Nützlichkeit der Angebote gelangen? Hinzu kommt,
dass von den Anbietern laufend neue und hinsichtlich ihres therapeutischen
Erfolgs zunächst ungeprüfte Angebote kreiert werden, die
sich erst im Laufe der Zeit bewähren - oder auch nicht, oder
dass eingeführte Anwendungen mit therapeutisch irrelevanten
Zusätzen versehen werden (z.B. unterscheidet sich ein Allgäuer
Heubad vom normalen Heubad nur dadurch, dass es
von einem Wellnesshotel im Allgäu angeboten wird).
c) Weiterentwicklung: Bedingt sowohl durch Wettbewerbssituation
und Modeströmungen als auch aufgrund neuer medizinischer, sportwissenschaftlicher,
ernährungswissenschaftlicher und psychologischer Erkenntnisse
entwickelt sich auch der Wellnessbereich stetig weiter, d.h. es
gibt hier (noch) keinen relativ beständigen Erkenntnisstand.
Eine umfassende Zusammenstellung kann dies dokumentieren und dabei
mitunter auch belegen, dass es sich bei vielen Neuerungen lediglich
um "alten Wein in neuen Schläuchen" handelt. Sie
kann damit - auch ohne ausdrückliche Bewertung von Angeboten
und Anwendungen - indirekt beitragen, zwischen echten Fortschritten
und bloßer "Wortkosmetik" zu differenzieren.
d) Auswahl und Abgrenzung: Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich
aus der Auswahl der aufzunehmenden Stichworte. Da sich das Buch
an ein relativ heterogenes Publikum (z.B. mehr oder weniger erfahrene
Wellnessurlauber, Betreiber von Fitness- und Wellnesseinrichtungen,
Freizeit- und Tourismuspraktiker, Hoteliers, im Gesundheitsbereich
Tätige, Studenten verschiedener Fachrichtungen) wendet, sind
auch die Erwartungen und Ansprüche der Leser sehr unterschiedlich,
und so finden sich neben Begriffen, die sich auf Wellness im engeren
Sinne beziehen auch solche, die damit nur mehr oder weniger indirekt
zu tun haben, z.B. medizinische und physikalische Termini, kulturgeschichtliches,
philosophisches, soziologisches und sozialpsychologisches Hintergrundwissen
oder praktische Tipps für einen Urlaub und Freizeit in Erholungseinrichtungen.
Aus den genannten Gründen kann die vorliegende Zusammenstellung
keinen Anspruch auf Vollständigkeit und strenge Systematik
erheben. Sie ersetzt keine Therapie-, Wellness- oder Sauna-Handbücher
und andere Arten von Fachliteratur und - soweit es sich um gesundheitliche
Fragen handelt vor allem keine fachärztliche Beratung,
sondern bietet dem interessierten Laien lediglich eine erste Orientierung
über einen sich rasch wandelnden und immer weiter differenzierenden
Grenzbereich zwischen wohltuender Gesundheitsprophylaxe und entspannender
und vernünftiger Freizeitgestaltung.
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