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Eine Leseprobe aus:
Malta – Spuren in die Vergangenheit
(Werner Betz)
Seite 65
Wo war die Zentrale?
Vor langer Zeit wirkte auf den maltesischen Inseln eine Zivilisation,
deren Angehörige in der Lage waren, über die gesamten
Inseln verteilt imposante Bauwerke zu errichten. Man kann sich heute
nicht vorstellen, daß eine solche Arbeit ohne detaillierte
Planung möglich war. Die Tempel Maltas wurden für die
Ewigkeit konstruiert, man unternahm gewaltige Anstrengungen für
ihre Errichtung. Noch heute kann man ihre Überreste bewundern
und sich den Kopf über ihre Bedeutung zerbrechen.
Wenn aber keine Beweise dafür vorliegen, daß die Tempel
von Anfang an religiöse Funktion hatten, so ist es genausogut
möglich, daß sie ursprünglich einem ganz profanen
Zweck dienten. Welcher Zweck das auch gewesen sein mag, ein Gedanke
drängt sich mir auf: Die Errichtung eines ganzen Systems solcher
Bauten setzt eine gewisse Planung und Logistik voraus. Um diese
zu erbringen, muß wohl neben den Architekten und Ingenieuren
ein ganzer Stab von qualifizierten Mitarbeitern damit beschäftigt
gewesen sein. Heute würde man zunächst eine Zentrale errichten,
bevor die Arbeit an dem eigentlichen Projekt beginnt.
Wo also wurde geplant? Von welcher Stelle aus wurde die Arbeit in
den vielen Steinbrüchen und an den verschiedenen Baustellen
gesteuert und koordiniert? Hatte man für diesen Zweck vielleicht
das stabilste und gewaltigste Bauwerk vorgesehen? Das erscheint
mir wenig wahrscheinlich, wenn ich die Grundrisse und die Reste
der Megalithbauten ansehe. Ich finde hier keine geeigneten Voraussetzungen
für die Arbeit eines Planungsstabes. Die Grundrisse sind sich
alle ähnlich, und die hohen, durch dicke Mauern abgeschirmten
Räume erscheinen mir auf den ersten Blick wenig geeignet als
Planungsbüro. Wenn wir heute eine große Industrieanlage
mit Fabrikationsgebäuden und Lagerhallen sehen, kommen wir
nicht auf die....
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