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Eine Leseprobe aus:
Unterirdische Mysterien
(Werner Betz)
Auch in Deutschland gibt es in bzw. unter vielen
Städten Systeme von unterirdischen Gängen. Ihre Entstehung
wird in der Regel ins Mittelalter datiert und sie sollen angeblich
den Zweck gehabt haben, Menschen im Schutze des Erdreichs von einem
Ort zum anderen gelangen zu lassen. In vielen Städten sind
sie nicht mehr zugänglich und bei der Bevölkerung zum
Teil schon in Vergessenheit geraten. In Oppenheim am Rhein aber
kann man noch heute Reste eines besonders ausgeprägten Gangsystems
besichtigen. In mehreren Etagen übereinander wurden dort die
unterirdischen Räume angelegt und man ist heute gezwungen,
sie zu erkunden und zu vermessen. 1984 stürzte eine ganze Häuserzeile
ein, zwei Jahre später versank ein Polizeiauto unversehens
zur Hälfte im Untergrund und allein in den vergangenen zwanzig
Jahren waren die Straßen des Städtchens an nicht weniger
als dreißig Stellen eingebrochen.
Die Ursprünge der Anlage liegen im (mittelalterlichen?) Dunkel
der Geschichte, doch sie wurde immer wieder neuen Nutzungen zugeführt.
Noch während des zweiten Weltkrieges dienten die Gänge
als Schutzräume, in Friedenszeiten funktionierte man die Katakomben
zu Weinkellern um und heute ist man dabei, sie als touristische
Attraktion zu erschließen. Doch wer hat wann und zu welchem
Zweck die Tunnel gegraben? Gibt es trotz des großen zeitlichen
Abstandes Parallelen zu den Systemen an anderen Orten der Erde?
Bei meiner Besichtigung im April 1998 wurde ich mit einer Gruppe
von Besuchern zunächst in den sogenannten „Eiskeller“
geführt. Es handelt sich dabei um einen Gang, der von der Straße
aus etwa 120 Meter in den Berg hineinführt und dessen tiefste
Stelle sich rund vierzig Meter unter der Erdoberfläche befindet.
Ich hörte bei der Gelegenheit, daß es sich hierbei um
einen Gang handelt, der ehemals vom Hafen zur Burg führte.
Eine sinnvolle Einrichtung, man konnte also beim Entladen der Schiffe
die Waren im Schutz des Ganges auf dem kürzesten Weg an ihren
Bestimmungsort bringen. Erst als im 17. Jahrhundert der Gang nicht
mehr für diesen Zweck genutzt wurde, begann man, darin im Winter
Eis einzulagern, das dann im Sommer zur Kühlung von Speisen
und Getränken verwendet wurde. Während des zweiten Weltkrieges
waren in dem Gang Kunstschätze aus der Oppenheimer Katharinenkirche
sowie Teile der Sammlung des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt
eingelagert, um sie bei Luftangriffen zu schützen. Eigentlich
wäre durch diese Erkenntnisse dem „Eiskeller“ jeglichen
geheimnisvollen Flairs beraubt. Aber so einfach ist die Sachlage
offenbar nicht. Kurz vor dem Ende des Ganges stampfte unser „Fremdenführer“
Volker Gillot, Inhaber einer Sektkellerei und Inhaber des Nutzungsrechtes
für den Gang, mit den Füßen fest auf den Boden.
Es klang hohl, Hinweis auf einen darunterliegenden Hohlraum. Also
gibt es weitere, nicht erforschte Tunnel und Räume unter dem,
in dem wir gerade standen. Indizien für verborgene Geheimnisse
– Volker Gillot hatte auch hierfür eine Erklärung.
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