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Eine Leseprobe aus:
Nanospuren
(Dirk Gerhardt)
Kapitel 1
Der Tod stellt die Weichen
1.1.Todesurteil
Patrick OSullivan, passionierter FBI-Chef Agent der Antiterroreinheit
New York, würde heute am 15.08.2001 sein Todesurteil unterschreiben.Was
er natürlich nicht wusste.
»Patrick, das war das verdammt letzte Mal, dass ich deiner
Frau irgendwelche Ausreden erzählt habe, um deine Affäre
zu decken.«
Mike Tomcev von der New Yorker FBI-Antiterroreinheit I-49 steckte
sein Handy weg und schaute ihn grimmig an.
Patrick versuchte zu beschwichtigen und machte eine bettelnde Grimasse:
»Mike, Danke! Hey Mann, das war echt nett von dir ich
verspreche, es kommt nicht wieder vor, ja?«
Tomcev machte ein verächtliches Gesicht, drehte sich um und
ließ ihn einfach auf dem Flur im 14. Stock der FBI-Zentrale,
16 Federal Plaza, New York stehen.
Verdammt.
Irgendwie musste er aus der Sackgasse herauskommen, in die er sich
durch seine Lügen gebracht hatte. Entweder Maria oder Melanie
eine Entscheidung musste her.
Sonst würde er beide verlieren, so wie es ihm mit Christine
ergangen war, seiner ersten Frau, damals.
So viel war ihm klar.
Der Gedanke an seine erste Frau beunruhigte ihn. Er hatte Mel noch
nicht einmal gesagt, dass er noch mit Christine verheiratet war,
und das, obwohl er nun schon bald elf Jahre mit Mel zusammen war.
Diese Lügen würden ihn irgendwann noch umbringen. Irgendwann
gäbe es kein Entkommen mehr.
Selbst nicht für ihn, den Anti-Terror-Agenten, der ständig
mit Lügen und Coverstorys zu tun hatte. Mr. FBI. Deswegen wollte
er schon heute reinen Tisch machen und Mel einen Heiratsantrag machen,
ihr die Sache mit Christine gestehen und erklären, warum er
sich bisher nicht hatte scheiden lassen. Und dann würde er
Maria heimlich in den Wind schießen.
Das war der Plan, den er soeben beschlossen hatte.
Ein guter Plan. Ein dringend notwendiger Plan. Der umgesetzt werden
musste.
Ansonsten würde ihn sein Privatleben, welches eh schon untrennbar
mit seinem Berufsleben verflochten war, ihn endgültig fertig
machen. Aber er brauchte Freiräume, um wieder klar denken zu
können. Eine heile Familie, einen Rückzugsraum. Die Terroristen
plagten sich auch nicht nur mit sich selbst herum, und er war der
Boss der Antiterror-Einheit der mittlerweile wichtigsten FBI-Abteilung
bundesweit, das brauchte einen klaren Kopf, um Schurken wie Osama
bin Laden zur Strecke zu bringen. Jäh wurde er aus seinen Gedanken
gerissen.
»Hey, Patrick, du sollst dich bei Don Mackey melden.«
Jack Soddy hatte ihm das über den Flur zugerufen. Beide gehörten
zur I-49, der gemeinsamen Einheit von Staatsanwaltschaft des südlichen
Distrikts New York, der CIA und des FBI. Ihre Zuständigkeit:
Abwehr von Terrorismus, mit Schwerpunkt des islamischen von Osama
bin Laden.
Patrick deutete mit der Hand die Frage an, ob Jack mehr Infos hätte,
aber der machte nur ein verständnisloses Gesicht.
»Weswegen, hast du was gehört?«
Jack zuckte die Achseln.
»Nein, du sollst nur gleich rein.«
Also gut. Rein in die Höhle des Löwen.
Don Mackey war gerade erst im letzten Jahr Leiter des Büro
New Yorks geworden. Das sollte eigentlich sein Job werden.
Bei diesem Gedanken daran stieß es ihm wieder sauer auf.
Bloß jetzt nicht dran denken! Er ging noch schnell auf die
Toilette und erleichterte sich. Als er dann vor dem Spiegel stand,
sich wusch und mit nassen Händen die Haare zurechtlegte, um
seine beginnenden Geheimratsecken zu verstecken, rief er sich im
Spiegel laut und grinsend zu:
»Showtime, Baby!«
Sein Lieblingsspruch, seit er einmal Running Man mit
Arnold Schwarzenegger und Jesse Ventura gesehen hatte.
Er klopfte. Nach einem kurzen »Ja« ging er zu Mr. Mackey
ins Büro.
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