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Eine Leseprobe aus:
Guter Rat ist preiswert
(Dr. Walter Kiefl/Martina Mathes)
Kurze Geschichte der Peter-Pelikan-Elternbriefe
Elternbriefe stammen ursprünglich aus den USA und wurden zuerst
in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Bundesstaat Louisiana
entwickelt. Beabsichtigt war, jungen Eltern, die zum ersten Mal
Nachwuchs erwarteten, Grundkenntnisse insbesondere über die
psychische Entwicklung des Kindes zu vermitteln und sie bei ihrer
Erziehungsaufgabe mit fachkundigem Rat zu unterstützen. Dahinter
stand auch die Hoffnung, auf diese Weise einen Beitrag zur besseren
Persönlichkeitsentwicklung zukünftiger Generationen zu
leisten. Nicht zuletzt die Erfahrungen aus den beiden Weltkriegen
in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten das Ausmaß
des destruktiven menschlichen Potentials und damit die Wichtigkeit
einer bewussten, liebevollen und an den Bedürfnissen von Eltern
und Kindern ausgerichteten Erziehung deutlich gemacht.
Da alle Eltern (*2) mit den Briefen versorgt werden sollten, war
es notwendig, sie in einer unabhängig vom Bildungsstand und
der ethnischen Herkunft verständlichen Weise abzufassen, d.h.
weder sollten Eltern mit höherer formaler Bildung gelangweilt
noch wenig lesegeübte Eltern überfordert werden. Da aber
sozial und bildungsmäßig benachteiligte Familien aufgrund
ihrer besonderen Probleme (größere Arbeitsplatzunsicherheit,
niedrigere Einkommen, schwierige Wohnverhältnisse, mehr ungewollte
Schwangerschaften usw.) am häufigsten Schwierigkeiten damit
haben, ihren Kindern die notwendige Zeit und Aufmerksamkeit zu geben,
wurde das Augenmerk vor allem auf diese Zielgruppe gerichtet.
Dem diente auch das Konzept, die jeweiligen Themen in Briefform
zu verfassen und einzeln in kurzen Abständen zu versenden.
In Anbetracht der oft begrenzten Lesebereitschaft hatten sich die
Informationen dabei auf Wesentliches zu beschränken. Dazu gehört
auch, dass immer nur auf die gerade aktuelle Entwicklungsphase des
Kindes (z.B. Abstillen, Krabbelalter, Trotzalter) Bezug genommen
wird. Da die Entwicklungsschritte eines Kleinkindes zunächst
besonders rasch erfolgen, wurden die Briefe im ersten Jahr monatlich
versandt. Danach wurden die zeitlichen Abstände immer größer.
Hauptanliegen der Briefe war (und ist) es, die Eltern zeitnah auf
neue Situationen und Anforderungen vorzubereiten und sie für
eventuell auftauchende Fragen zu sensibilisieren, d.h., die Briefe
sollten präventiv wirken.
Um den der Zielsetzung mitunter abträglichen Eindruck einer
Bevormundung zu vermeiden, wurde die Figur des Peter Pelikan"
eingeführt (*3). Die Wahl fiel darauf, um auf die Herkunft
der Briefe hinzuweisen (der Bundesstaat Louisiana führt auf
seinem Siegel und auf seiner Flagge einen Pelikan mit Jungen) zum
Anderen, weil dem Pelikan nachgesagt wird, seinen Nachwuchs besonders
liebevoll zu versorgen (*4).
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