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Eine Leseprobe aus:
Reife Blüten blühen am schönsten
Bilder gegen den Jugendkult
(Walter Kiefl)
Zur Einführung
Als ich vor einigen Jahren zur Illustration eines Buches über
die oben ohne-Bademode Amateur-Fotomodelle gesucht habe,
war ich von der positiven Resonanz auf meine Kleinanzeige überrascht.
Obwohl nur ein kleines Honorar geboten war, haben sich mehrere attraktive
Damen im Alter zwischen 35 und 60 Jahren gemeldet, die bereit waren,
sich im Frei- oder Hallenbad, am Baggersee, am Strand, im Stadtpark
oder in ihrer privaten Umgebung ablichten zu lassen. So hatte ich
bald mehr Bilder, als ich für das Vorhaben benötigte,
zumal sich auch noch meine Co-Autorin und weitere Bekannte beteiligten.
Der vorliegende Band enthält einige der schönsten damals
entstandenen Fotos, die zur Enttäuschung einiger Teilnehmerinnen
bisher nicht oder nicht angemessen wiedergegeben werden konnten.
Wenn ich auch bereits bei der telefonischen Kontaktaufnahme mein
Anliegen geschildert habe, gaben sich einige Interessentinnen zunächst
etwas unsicher. Ihre Vorbehalte galten nicht mir oder meinem Projekt,
sondern sich selbst. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass ich
gerade von ihnen Bilder wollte, wo es doch angeblich so viele schönere,
jüngere und schlankere Mädchen gab, die sich gerne etwas
dazuverdient hätten. Ich wollte aber für das Buch bewusst
keine Aufnahmen von erfahrenen Modellen, die darin geübt waren,
sich lächelnd oder gar in als verführerisch
angesehen Posen darzustellen, sondern realistische Fotos von mutigen
und selbstbewussten Frauen, für die es (hoffentlich nicht nur
beim Baden und Sonnenbaden) ganz normal ist, die gleichen Rechte
wie die Männer einzufordern. Wenn es sich bei den Fotos auch
nicht um professionelle oder gar künstlerische Bilder handelt
(ich verfüge weder über eine entsprechende Ausbildung
noch über eine höherwertige technische Ausstattung) hoffe
ich, dass in ihnen wenigstens ansatzweise die Faszination zum Ausdruck
kommt, die die Modelle durch ihre Authentizität auf mich ausgeübt
haben.
Nicht allein der Wunsch, endlich eine überfällige Verpflichtung
einzulösen und die Freude an der Wiedergabe erblühter
Schönheit haben zu diesem Band geführt, sondern auch die
Intention, auf diese Weise einen bescheidenen Beitrag zu leisten,
der gesellschaftlichen Fixierung auf Jugendlichkeit bzw. bestimmten
Klischees davon entgegenzutreten. Wenn über 40jährigen
Frauen von einem weltbekannten 70jährigen Sänger
vor einiger Zeit generell als reizlos abqualifiziert
- immerhin noch Kompetenz, geistige Leistungsfähigkeit und
menschliche Qualitäten zugestanden werden, müssen sie
sich im Falle einer wenig verhüllenden Präsentation z.B.
am Strand oder im Freibad von den Medien und der veröffentlichten
Meinung (individuell, falls prominent, ansonsten pauschal) mitunter
kritische Beurteilungen und Bemerkungen gefallen lassen, und es
bedarf einer gewissen inneren Stärke, sich von derartigen Verdikten
nicht einschüchtern zu lassen. So erfuhr z.B. vor wenigen Jahren
eine nicht mehr ganz jugendliche Schauspielerin, die sich im Bikini
hatte fotografieren lassen, in Leserbriefen, Zeitungsglossen und
Chat-Foren neben viel Anerkennung für ihren Beitrag zur Aufwertung
reiferer Menschen auch Spott und Ablehnung. Ähnliches widerfuhr
auch einer etwas jüngeren freizügigen Kollegin für
Paparazzi-Fotos. Solche Reaktionen, aber auch davon genährte
dumme Bemerkungen, abschätzige Blicke und plumpe Anzüglichkeiten
lassen den Verdacht aufkommen, dass es hier auch darum geht, Frauen
jenseits einer gewissen Altersgrenze mit dem Verweis auf unverstandene
bzw. gedankenlos dahergeplapperte ästhetische Kriterien
zu disziplinieren.
Die vorliegende exemplarische Demonstration reifer Schönheit
will solchen Vorurteilen begegnen. Den sich auf den folgenden Seiten
zeigenden selbstbewussten Frauen gebührt auch stellvertretend
für unzählige andere, die sich nicht allzu sehr darum
bekümmern, inwieweit sie gegen überkommene Denk- und Verhaltensmuster
verstoßen Dank dafür, dass sie in einem umfassenden,
d.h. nicht nur auf die Körperlichkeit beschränkten Sinn
als Modell gewirkt haben und dies auch weiterhin tun.
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