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Monika Adolph Leen Aloh Werner Betz Anneliese Blacha Melanie Buhl Dorothea Christian Richard Erren Dirk Gerhardt Dietrich W. Grobe Hartmut Grosser Ingrid Hammer Brigitte Isensee Friedesine Strüver Walter Kiefl
Hella Lach Norbert Lang Johanna G. Lenz Sarina M. Lesinski Gerhard Ludwig Barbara Merten Alexandra Pfister Ralph Schneider Michaela Schreier Gudrun Strüber Manuela Tietsch Michael Touma H. D. Viel Dagmar Westphal

Michaela Schreier Anneliese Blacha H. Dieter Viel Gudrun Strüber Alexandra P. Pfister Johanna Gerlinde Lenz Walter Kiefl Ingrid Hammer Hartmut Großer Leen Aloh Hella Lach Melanie Buhl Dietrich W. Grobe Siegfried Eisfeld Michael Touma Manuela O. Tietsch Ralph Schneider Hanna Jüngling Dagmar Westphal Gerhard Ludwig Dorothea Christian Sarina  M. Lesinski Dirk Gerhardt Norbert Lang Monika Adolph

 

 

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Eine Leseprobe aus:
Schlaraffenland, Bühne und Ventil.
Ein Plädoyer für den ganz normalen Bade- und Pauschaltourismus.
(Dr. Walter Kiefl)

Allein in Deutschland wurden in diesem Jahr 62 Millionen Reisen unternommen, wobei Veranstalter, Fluggesellschaften, Hotels und Restaurants rund 96 Milliarden DM eingenommen haben. Pro Kopf und Reise wurden dabei im Durchschnitt 1549 DM ausgegeben (Focus 32, 6.8.2001). Über 50% der deutschen Urlauber bevorzugten Pauschalreisen, 43% erreichten ihr Ziel mit dem Flugzeug (Harenberg 2001, S.218). Nach Prognosen des World Travel & Tourism Councils (WTTC) wird die Zahl der Touristen im Jahr 2011 die Milliardengrenze überschreiten, weltweit mehr als 9,2 Billiarden Dollar umsetzen und 260 Millionen Menschen beschäftigen, wobei Deutschland, Japan und die USA die meisten Touristen stellen (Focus 32, 6.8.2001, S.113).

Das wirtschaftlich so bedeutsame Reisegeschäft ist aber wissenschaftlich weitgehend unterrepräsentiert (4). Brigitte Scherers Bemerkung, daß es über keine andere Branche so viele Vorurteile und so wenig wirtschaftlich und wissenschaftlich Stichhaltiges als über den Tourismus gibt (Scherer 1995, S.7), ist auch heute noch gültig. Überspitzt formuliert hat das damit zu tun, daß Freizeit und Urlaub der akademischen Forschung (die andere, kommerziell betriebene, scheint noch weniger aufgeschlossen) nicht ernst genug erscheinen. Abgesehen von der Darstellungen tourismusökonomischer Fragestellungen hat bis vor kurzem die nicht primär wirtschaftlich orientierte Beschäftigung mit Urlaub, Freizeit und Reisen innerhalb des akademischen Lehr- und Forschungsbetriebs besonders im deutschsprachigen Raum keinen sonderlich hohen Stellenwert eingenommen, was sich z.B. an einem relativen Mangel an einschlägigen Hand- und Lehrbüchern und einer geringen Anzahl tourismuswisenschaftlicher Lehrstühle und anderer Einrichtungen oder am als unzureichend empfundenen Stand der Theoriebildung und der Forschungsmethoden zeigt (dazu z.B. Kagelmann 1993). Die entscheidene Ursache dafür sehen Bachleitner und Haas (1998, S.7) darin, daß "... Aspekte des Genießens und Vergnügens, wie sie uns gerade im Freizeit- und Tourismussektor entgegentreten, ... traditionell wenig in den Kontext der Wissenschaften (passen): denn dort geht es um Tiefsinniges, um Analysen, Entwürfe und Konstruktionen der Wirklichkeiten, schlicht um ernste Probleme des Lebensvollzugs und der Lebensplanforschung. Gegenüber dem rein "Privaten" zeigte man von Seiten der Sozialwissenschaften lange Zeit Wahrnehmungsverweigerung und Ignoranz. Phänomene wie die "frei disponiblen Zeiten" sind daher trotz der "Alltagswende" aus sozialwissenschaftlicher Sicht nur marginal erforscht. Puritanische Sinnperspektiven können hierfür verantwortlich sein ... Die sozialwissenschaftlichen Analysen des Sozialphänomens Tourismus ... fallen dürftig aus. Erst in jüngster Zeit und gegen zahlreiche Widerstände ist eine sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung in Konturen erkennbar" (vgl. auch Romeiß-Stracke 1998, S.8 ff.; Hennig 1999, S.23-26).

Dies trifft auch für den sogenannten Massen- und Pauschaltourismus - häufig ein Synonym für den Tourismus überhaupt - zu. Möglicherweise läßt ihn schon sein eher ungünstiges Image als nicht sehr attraktiv für eine eingehendere Erkundung jenseits distanzierter Herablassung erscheinen. Häufig reduziert sich die Kritik an ihm auf Schuldzuweisungen an Veranstalter, Hoteliers, Fluglinien, Bürokraten, Planer, Tourismus-Experten und Touristen. Er erscheint dabei oft als Zerstörer nicht nur der Natur, sondern auch der Kultur der Bereisten, wobei fremde Gesellschaften und Kulturen als mehr oder weniger homogene und geschlossene Gebilde betrachtet werden, die es vor allzuviel sozialem und kulturellen Wandel zu bewahren gilt - zumindest soweit er vom Tourismus induziert ist. Entsprechend werden die in größerer Menge auftretenden Touristen häufig als undifferenzierte, träge und gesichtslose Horde dargestellt und - was die mit den Wechselwirkungen zwischen Erwartungshaltung und Wahrnehmung Vertrauten nicht überrascht - auch entdeckt. Ärgerlich an dieser Art der Beschreibung ist die geringe Differenzierung und die unreflektierte Tradierung bekannter Vorurteile und Unterstellungen, die letztendlich auf eine lange gepflegte Massenphobie der Bildungselite zurückgeht. Sie weist eine stabile Tradition in der Zivilisations- und Kulturkritik auf (Kiefl 1993) und hat sich dort ungeachtet schon früherer überzeugender Versuche einer Relativierung (Geiger 1950) auch zäh gehalten. Dies ist zum einen in Ängsten (vor dem Zerrbild eines gewalttätigen, grölenden und betrunkenen Mobs), zum anderen in den dadurch gebotenen billigen Möglichkeiten der eigenen Profilierung begründet. Parallel zu dem von Medien und Werbung gepflegten Kult der Individualisierung und einem entsprechenden elitären Gehabe derjenigen, die glauben, sich äussern zu müssen, wird die Abneigung gegen eine drohende "Vermassung" geschürt, verbunden mit der unausgesprochenen (weil politisch nicht "korrekten") Befürchtung einer bevorstehenden Nivellierung bestehender sozialer Unterschiede.

Mitunter werden die kritisierten Pauschal- oder "Massentouristen" in den Medien aber auch als betrogene und ausgebeutete Opfer dargestellt (z.B. tz, 5.8.1994), wobei sich die Kritik nicht immer nur auf die (mitunter allzu voreilig) den Veranstaltern angelasteten Reisemängel (Überbuchung, Wartezeiten, Lärm, Schmutz, Belästigungen) bezieht, sondern grundsätzlicherer Art ist: Die Bequemlichkeiten und Verführungen einer quasi-paradiesischen und künstlichen Scheinwelt würden Reisende um das "eigentliche" bzw. "ethisch korekte" Anliegen, nämlich das Erfahren und Erleben fremder Lebenswelten und damit um Erfahrungs- und Lernchancen bringen (z.B. Burghoff/Kresta 1996, S.67-71). Solche Haltungen spiegeln den Versuch wider, das Genusstreben der Urlauber mit sozialpädagischen Ansprüchen der Kritiker unter einen Hut zu bringen.

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Dr. Walter Kiefl