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Monika Adolph Leen Aloh Werner Betz Anneliese Blacha Melanie Buhl Dorothea Christian Richard Erren Dirk Gerhardt Dietrich W. Grobe Hartmut Grosser Ingrid Hammer Brigitte Isensee Friedesine Strüver Walter Kiefl
Hella Lach Norbert Lang Johanna G. Lenz Sarina M. Lesinski Gerhard Ludwig Barbara Merten Alexandra Pfister Ralph Schneider Michaela Schreier Gudrun Strüber Manuela Tietsch Michael Touma H. D. Viel Dagmar Westphal

Michaela Schreier Anneliese Blacha H. Dieter Viel Gudrun Strüber Alexandra P. Pfister Johanna Gerlinde Lenz Walter Kiefl Ingrid Hammer Hartmut Großer Leen Aloh Hella Lach Melanie Buhl Dietrich W. Grobe Siegfried Eisfeld Michael Touma Manuela O. Tietsch Ralph Schneider Hanna Jüngling Dagmar Westphal Gerhard Ludwig Dorothea Christian Sarina  M. Lesinski Dirk Gerhardt Norbert Lang Monika Adolph

 

 

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Eine Leseprobe aus:
Sinti und Roma
Abriss der Geschichte und Kultur einer europäischen Randgruppe
(Dr. Walter Kiefl)

Migrationsgeschichte

Obgleich viele Roma-Gruppen davon überzeugt sind, ursprünglich aus Ägypten zu stammen, gehen die meisten Ethnologen und Sprachwissenschaftler davon aus, dass ihre eigentliche Urheimat im nordwestlichen Indien (Pandschab) liegt. Begründet wird dies u.a. damit, dass die Bezeichnung „Rom“ lautlich auf „Dom“ hinweist, eine in ganz Nordwestindien bekannte und gering geachtete Kaste, deren Angehörige vielfach als Musiker und Tänzer auftreten. Zudem konnte anhand sprachwissenschaftlicher Studien nachgewiesen werden, dass die Sprache der Rom-Gruppen den paisatschi-Dialekten der indo-arischen Sprachen angehört.

Aus der sprachlichen Einordnung lässt sich aber keine entsprechende ethnische Zugehörigkeit ableiten, d.h. es handelt sich bei den Roma eher um eine kulturelle und soziale als um eine rassische Einheit. Aufgrund zahlreicher und verschiedenartiger Blutsvermischungen im Verlauf ihrer Geschichte können keine gesicherten Aussagen über den ursprünglichen Rassetyp gemacht werden.

Man nimmt an, dass die Rom einem vorarischen Bevölkerungssubstrat entstammen, das sich auf Wanderschaft begeben hat (*6).Ungeklärt ist die Frage nach den Gründen für die Ausformung ihrer nomadischen Lebensweise. Vermutlich hat es sich bei ihnen ursprünglich um Wildbeuter gehandelt, deren Jagd- und Sammelgründe durch das vordringende Bauerntum immer mehr eingeschränkt wurde, so dass ihnen – wenn sie als Gruppe überleben wollten – schließlich nur die Lebensweise eines Wandervolkes geblieben ist.
Aufgrund der Konzentration der Roma in Südosteuropa und insbesondere in Rumänien und der starken internationalen Präsenz der Roma rumänischer Herkunft sind die vom Rumänischen beeinflussten Vlach-Dialekte heute dabei, sich zum Romane, einer gemeinsamen internationalen Standardsprache der Roma zu entwickeln, die auch zahlreiche griechische, serbische, türkische und bulgarische Wörter und Redewendungen enthält, doch haben die Strukturen der Balkansprachen die ursprüngliche indische Konfiguration der verschiedenen Dialekte nur wenig verändern können (*7).

Der Beginn der Roma-Wanderungen lässt sich nicht genau angeben, doch sollen die ersten, angeblich 12.000 Menschen umfassenden Gruppen zur Zeit des Sassanidenkönigs Bahram-Gor (421-439) nach Persien gekommen und dort im 9. Jahrhundert schon sehr zahlreich gewesen sein. Andere Forscher datieren dagegen die Abwanderung aus Nordindien erst etwa auf das Jahr 1.000. Übereinstimmung besteht darüber, dass sie sich dort in die Ben und Phen teilten. Die Ben zogen über Syrien, Palästina, Ägypten und Nordafrika nach Spanien, die Phen über Mesopotamien, Armenien, Kleinasien und Konstantinopel zum Balkan und erreichten zwischen 1407 und 1418 Mittel- und wenig später Westeuropa (Zimpel/Pietrusky 1997, S.609).

Erstmals erwähnt wurden die Roma im 12. Jahrhundert in einer byzantinischen Quelle als „Athingano“ (s.o.). Ende des 13. Jahrhunderts wurden sie in einem Brief des Patriarchen von Konstantinopel als (steuerpflichtige) „Aigyptoi“ und „Athinganoi“ erwähnt und 1322 wurden sie in einem Text auf Kreta genannt. 1348 schenkte der serbische König Stefan Duschan (1331-1355) einem Kloster „Zigeuner“, 1370 tauchten so bezeichnete Gruppen in der Walachai auf und 1387 erhielt das Kloster Tismana vom damals regierenden Fürsten 40 Familien übereignet, die – im Unterschied zu den leibeigenen Bauern – auch verkauft werden konnten, d.h. Sklaven waren (*8). Im ausgehenden 14. Jahrhundert gelangten die Roma nach Siebenbürgen und von dort aus weiter nach Mittel- und Westeuropa. Die nomadischen Lebensweise war nun nicht mehr bei allen Gruppen verbreitet. Byzantinischen Quellen zufolge gab es in den Dörfern auf dem Balkan mehr oder weniger christianisierte und fest ansässige „Athingano“-Minderheiten, und häufig waren die Männer sogar mit griechischen Frauen verheiratet.

Die Beendigung der Leibeigenschaft der Roma in den rumänischen Fürstentümern im 19. Jahrhundert brachte neben der Freiheit auch Probleme mit sich, hörte mit der Fremdbestimmung durch den Grundherrn auch dessen materielle Fürsorge auf. Auf sich allein gestellt, litten viele noch größere Not als vorher, und so kam es Ende des 19.Jahrhunderts zu einer weiteren umfassenden Westwanderung.

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Dr. Walter Kiefl