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Eine Leseprobe aus:
Südamerika
(Johanna Gerlinde Lenz)
Seite 9
Aus der Einführung von Johanna Gerlinde Lenz
Schnell sprach es sich in der kleinen Stadt herum, dass der junge
Ingenieur eine Braut suche. So manches heiratsfähige Mädchen
mag sich Hoffnungen gemacht haben. Karl Hermann aber hielt bei den
Eltern Metz um die Hand einer ihrer Töchter an. An welche haben
Sie gedacht?" fragte der Vater, "Nun, welche wagt es,
mit mir in ein fremdes Land zu ziehen?«
Die älteste Tochter, Gertrud, war ängstlich und traute
sich nicht so weit von den Eltern fort. Da sie Vaters Liebling war,
wollte der alte Herr, sie auch nicht gerne mitgehen lassen. Die
jüngste, Elisabeth, ebenfalls ängstlich und scheu dazu,
klebte an Mutters Schürze. Aber die mittlere, Elfriede, sie
hatte sich gleich in Hermann verliebt, sie war abenteuerlustig und
freute sich auf ein Leben mit ihm in der Fremde. - So etwa könnte
es gewesen sein.
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Spezialitäten
Das begehrteste Getränk bei den Bolivianern war die Chicha,
ein mostähnliches, schmutziggelbes Gebräu, aus Mais gemacht,
den die Indianerweiber im Munde zerkauten. Durch den Mund-Speichel
wurde ein Gärungsprozess eingeleitet, den man mit gleichem
Erfolg nicht durch fabrikmäßige, hygienische Herstellungsversuche
herbeiführen konnte. Ich hatte mich schon an manches gewöhnt,
aber das war mir doch zu unappetitlich. Aber siehe da, nach einem
Jahr versuchte ich die Chicha doch einmal und war begeistert. Überall
hockten die Cholas auf den Bahnstationen mit ihren primitiven Chichaständen
und boten den Vorbeifahrenden die Erfrischung an. Besonders in den
heißen Tälern war das Getränk beliebt und sehr gut.
Dazu schmeckten die Empanadas, ein Teiggebäck mit Fleisch,
Ei und Oliven gefüllt, vorzüglich.
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