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Eine Leseprobe aus:
Viele Wege (nicht) reich zu werden
(Werner Betz)
Es gibt aber auch noch andere Nebenjobs, die
man von zu Hause aus erledigen kann und die eine Menge Geld einbringen.
So verspricht es wenigstens die Zeitungswerbung. Aber das habe ich
nie probiert und ich glaube, es ist auch besser so. Meistens wird
in der Werbung nämlich mehr versprochen als später gehalten
werden kann. Entweder man muss irgendwelche finanziellen Vorleistungen
erbringen, die nur dazu dienen, dass der Anbieter eine Menge Geld
verdient oder man soll irgendwelche dubiosen Dinge vermitteln, die
man nicht an den Mann bringt. Vielleicht tue ich hier dem einen
oder anderen Anbieter solcher Jobs unrecht, aber die meisten Angebote
in dieser Art sind unseriös. Deshalb sei dem, der beabsichtigt,
mit solchen Jobs zu Reichtum zu gelangen, dringend zur Vorsicht
geboten.
Halten Sie mich jetzt für zu skeptisch oder pessimistisch?
Dann sagen Sie mir bitte: würden Sie jemandem glauben, der
Ihnen verraten will, wie Sie einen seriösen Nebenjob finden,
mit dem Sie bis zu 3.500 Euro im Monat nach Feierabend verdienen
können, ohne dabei Ärger mit Ihrem Chef oder dem Finanzamt
zu bekommen? Na und, würden Sie demjenigen Glauben schenken?
Ja? – Aber diese Informationen sollen Sie bezahlen. Und falls
es mit dem einen Nebenjob nicht gleich klappt, hat er noch andere
für Sie parat. Jeden Monat neu, und das alles nur für
12 Euro monatlich. Aha, ist der Groschen gefallen? Würden Sie
dem Menschen immer noch glauben? Wenn das so einfach wäre,
dann würde ja jeder nebenher Kohle machen ohne Ende und es
gäbe bald nur noch Reiche. Aber nein, das funktioniert ja nicht.
Die würden sich das Geld ja dann gegenseitig aus der Tasche
ziehen und am Ende hätte keiner mehr davon als vorher. Ein
Teufelskreis also, der nur funktioniert, solange nicht alle mitmachen.
Ich selbst bin nicht unbedingt der Mensch, der hinter allem gleich
eine böse Absicht vermutet. Aber man kann sich als rechtschaffener
Mensch auch nicht unbedingt vorstellen, dass andere Menschen seriös
anmutende Zeitungsanzeigen aufgeben und darin irgendwelche Versprechen
machen in der Absicht, andere Leute hereinzulegen. Deshalb habe
ich vor einiger Zeit einen Test gemacht, sozusagen um das hier geschriebene
zu bestätigen oder auch um mich positiv überraschen zu
lassen.
Ich war auf eine Zeitungsanzeige gestoßen, die sehr vielversprechende
Nebenjobs anbot. Dabei hatte ich aber festgestellt, dass die dort
angegebene Telefonnummer auch in anderen Anzeigen auftauchte, die
ebenfalls einen großen Nebenverdienst versprachen. Da ging
es entweder um die Tätigkeit als Testperson (bis zu 3.000,00
DM monatlich!), als Samen- oder Blutspender oder andere lukrative
Dinge. Ich rief einfach mal dort an, ohne genau zu wissen, was mich
erwartet. Ich hatte vielleicht ein wenig die Befürchtung, dass
ich jetzt aufgefordert würde, irgend einen Betrag für
den Erwerb einer Informationsbroschüre zu überweisen.
Ich fragte mich, wer heute denn noch so blöd ist, das zu tun.
Zuviel hatte man doch von diesen Praktiken schon gehört.
Aber zu meiner Überraschung kam es ganz anders. Nicht etwa,
dass wirklich eine seriöse Absicht hinter der Absicht stand.
Nein, ein Anrufbeantworter wiederholte noch einmal sinngemäß
den Anzeigentext und verwies dann an eine Telefonnummer, unter der
es weitere Informationen gibt: 0190.... Das also sind die neuen
Tricks, mit denen man Interessenten für einen Nebenjob das
Geld aus der Tasche zieht. Ich rief natürlich nicht dort an.
Diese Genugtuung wollte ich den Anbietern nicht geben, auch an mir
ihren Verdienst gemacht zu haben.
Aber klar, das ist der Weg zum reichwerden. Nicht der Nebenjob an
sich – so viele Nebenjobs wie Interessenten gibt es auf der
ganzen Welt nicht. Aber mit der Not vieler, die händeringend
eine Möglichkeit zum Nebenverdienst suchen, über eine
0190er Telefonnummer das schnelle Geld machen – das ist die
Lösung. Jedenfalls für diese Leute, deren Machenschaften
ich überhaupt nicht wohlwollend betrachten kann.
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