Ingrid Hammer gehört zu jenen Schriftstellern, die an Utopien
glauben. Eine Seltenheit in unserer Gesellschaft, in der die Werbung
die Literatur ins Abseits drängt und der Videoclip die Utopie
schlechthin ist.
In dem Erzählband "Als hätten sie ein Ziel. .."
unternimmt Ingrid Hammer eine Fahrt nach Berlin, es ist aber gleichzeitig
eine innere Reise, in der die Realität und das Selbst reflektiert
werden. Und kraft ihrer Beobachtungsgabe entziffert sie den Geist
der Zeit in den Gesichtern der Menschen, in der Architektur der
Häuser und in den Plakaten an den Wänden. Trauer, Wut
und Ängste sind die Gefühle, die sie dabei befallen.
Sie greift moralische Themen auf, ohne moralisierend zu sein.
Spätestens beim zweiten und dritten Lesen der Texte entdecken
wir die Vielschichtigkeit ihrer Beobachtungen. Sie weigert sich,
sich der stumpfsinnigen Stimmung des Schlaraffenlandes der Konsumgesellschaft
anzuschließen und lässt sich von dem trügerischen
Bild dieses scheinbaren Friedens nicht täuschen. Ihre dichterische
Gesinnung führt sie dazu, hinter den Schein der Welt zu blicken.
Dabei sieht sie das Menetekel deutlich auf der Wand geschrieben.
In unseren Kaufparadiesen und Vergnügungsparks haben wir
verlernt, die Deutung des Zeichens wahrzunehmen. Wir geben uns
der Selbsttäuschung hin und halten die gepolsterte Welt,
in der wir uns bewegen, für die Wirklichkeit an sich.
Michael Touma unterstreicht mit Schwarz-Weiß-Grafiken
aus Stadtlandschaften, Schriftzeichen und abstrakten Formen die
Gedankenassoziationen der Autorin.
Seine Grafiken betonen die Dramatik der Erzählung und geben
den Rhythmus der Reise wieder.
Ingrid Hammer:
Als hätten sie ein Ziel. Leipzig: Toumaart 2006, 64 S.;
Preis 21,00 Euro (- - - )
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