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Bodennebel

Autor:
Gerhard Ludwig
Verlag:
Books on Demand
Erscheinungsjahr:
2005
Sonstiges:

Taschenbuch
82 Seiten
Preis 7,40 €
ISBN 978-3-8334-3518-8

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Leseprobe
Bodennebel

Der Oberleutnant Enno Gerhards wurde langsam wach. Anscheinend war er im weichen Moos eingenickt. Etwas Feuchtes und Kühles strich über das Hochmoor, das er so gern aufsuchte. Nebelschwaden hingen wie so oft frühmorgens zwischen den Büschen und im Heidekraut. Ein Kopfschmerz wie nach einem Freundschaftstreffen mit den britischen Freunden, ein dumpfes Brummen, überlagert von dem anschwellenden Ton eines zu sieden beginnenden Teekessels, nahm ihn in Besitz. Seine Zunge war verquollen wie das vom Austrocknen bedrohte Produkt eines Hefeteiges.
Dieses Erwachen verhieß nicht unbedingt die Aussicht auf einen schönen Sommertag.
Enno konnte den Kopf nicht bewegen. Seine Augen schienen zugekittet und die Hände gehorchten nicht. Er fühlte sich wie auf einem halb gefüllten Wasserbett schaukelnd, schon der Gedanke an Bewegung verursachte Übelkeit. Eine schwabbelige Unterlage, die jeden Moment kippen und ihn im Dunkel des Moores versenken könnte. Also still liegen bleiben! Er versuchte, irgendeinen Halt für seine suchenden Gedanken zu finden.
Aus der Ferne näherten sich Stimmen mit einem hohlen Widerhall wie in einer Bahnhofshalle. Ob sie ihn suchten, nach ihm riefen? Mit äußerster Konzentration versuchte er, die bleiernen Lider zu öffnen: Überall nur Nebel! Doch – da war etwas schemenhaft Weißes. Es hockte neben ihm im Moor und versuchte anscheinend, Kontakt aufzunehmen und ihn zu berühren. Die Stimme des Wesens erreichte ihn seltsam verzerrt und klang eindringlich, fordernd, dann aber wieder beruhigend, ermun ternd. Er versuchte sich dieses Ding mit aller Kraft vom Leibe zu halten, doch die Stimme war jetzt ganz nah, fast in seinem Ohr. Durch den Versuch einer Abwehrbewegung begann das Moor zu schwanken, seine Unterlage gab nach und wie bei einer beschädigten Luftmatratze sank er in der Mitte, ein, erst langsam dann immer schneller, dann hatte ihn der dunkle Morast verschlungen.
Als er wieder erwachte, schien immer noch Dämmerung zu sein. Seine Augen ließen sich mit etwas Mühe ein wenig öffnen. „Da ist er ja wieder“, sagte eine ganz in Weiß gekleidete Ordensschwester, die neben seinem Bett saß. Von ihrer Hand ging eine wohltuende Wärme ans, als sie seine Wange berührte. „Da ist er ja wieder“, betonte sie, während sie seine spröden Lippen mit einem feuchten Lappen benetzte. Das tat gut. Ihre Augen blickten freundlich und zuversichtlich. Sie trug ein weites weißes Kleid und eine wie eine Bandage wirkende Haube, die nur das Gesicht frei ließ. Vom Kopfband nach hinten hing ein schulterlanges schwarzes Tuch. „Bleiben Sie ganz ruhig liegen und versuchen Sie nicht, den Kopf zu heben. Ich bin Schwester Huberta“, sagte sie mit der brüchigen Stimme und Bedächtigkeit, wie sie nur sehr alten Menschen zu Eigen ist. „Alles Weitere wird der Chef später mit Ihnen besprechen. Ich schaue nachher noch einmal nach Ihnen. Sie haben großes Glück gehabt! Großes Glück“, murmelte sie, während sie nahezu lautlos aus dem Raum huschte.
Enno suchte nach Orientierung. Kopf und Hände waren offensichtlich mit Mullbinden fixiert. Der Oberkörper schmerzte beim Atmen, überhaupt alles tat weh! „Wie gerädert“, schoss es ihm durch den Sinn und er wollte grinsen. Schließlich war er als Spaßvogel bekannt. ? Bekannt? Bei wem? Was war los? Warum spürte er seine Beine nicht?

Das Nachdenken ermüdete ihn sehr und so wehrte er sich auch nicht dagegen, wieder in seinem vertrauten Moor zu versinken.
Rezension

Klappentext

Im Spannungsfeld zwischen Gehorsam und Gewissen gerät ein junger Offizier zwischen alle Stühle.
Eine inoffizielle Aktion in Berlin verläuft unplanmäßig, bringt Stasi und KGB auf seine Fährte.
Eine „Blackout-Spritze“ trübt sein Erinnerungsvermögen. Im eigenen Lager deckt er einen Skandal auf, verhindert ein „Bauern-Opfer“, will die Drahtzieher. Jetzt hat er auch hier mächtige Feinde. Kurz darauf geschehen mysteriöse Dinge. Seine Zukunftspläne sind in Gefahr. Und nicht nur die …

Eine weitgehend autobiographische „Zeit-Geschichte“ über einen Mikrokosmos des „kalten Krieges“.