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Reise nach Sadovoje

Autor:
Gerhard Ludwig
Verlag:
Fabuloso Verlag, Bilshausen
Erscheinungsjahr:
2007
Sonstiges:

Taschenbuch
110 Seiten
Preis 10,00 €
ISBN 978-3-935912-32-7

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Leseprobe
Pathologie

Jobst Bläulich ist nun seit gut fünf Jahren Leiter des Kriminalkommissariates „Mord und Brand“ in der Universitätsstadt Göttingen. Der leicht übergewichtige Mann mit der ausgeprägten Stirnglatze freut sich seit langem nur noch auf eines: Seine Pensionierung am Ende des Jahres! Er ist des ständigen Wühlens in den Niederungen menschlichen Seins überdrüssig. Zu viele gequälte und geschundene Körper, zu viele Schicksale, denen er sich nicht immer verschließen konnte. Müde, aber routiniert tut er, was er nun mal tun muss! Seine Gefühle verbirgt er hinter einer mürrisch gelangweilten Fassade. Auch die ist zur Routine geworden.
Er hatte sich von der Fahrbereitschaft am Bahnhof absetzen lassen, um dort einen hohen Gast abzuholen. Der weitere Weg zum Rechtsmedizinischen Institut konnte dann bei dem schönen Spätsommer-Wetter zu Fuß bewältigt werden. Mit seinem gewohnten Dienstgesicht hatte er den Kriminaloberrat Dielmann begrüßt, seines Zeichens Abteilungsleiter beim Militärischen Abschirmdienst (MAD) in Köln. Dieser, ein wortkarger asketischer Mann mit schmalen Lippen und einem durchdringenden Röntgenblick, war ihm auf Anhieb irgendwie unheimlich. Sein Blick schien gleichzeitig Bläulich zu erfassen und parallel dazu das Umfeld zu scannen! Er wirkte maskenhaft emotionslos, aber hellwach! Bläulich gab sich also wenig Mühe besonders herzlich zu sein. Die zwei ungleichen Kriminalisten machten sich wortlos ohne Zeit zu verlieren auf den Weg zur Pathologie, die derzeit in einem Keller der alten Zahnklinik in der Geiststraße untergebracht war.
„Moin, Jobst!“, tönte es da auffallend gut gelaunt von der wackligen Bank im Schatten der alten Kastanien her. „So alleine? Ich denke, du bist als Eskorte für unser hohes Tier aus Köln engagiert!“
„Der braucht keine!“, stellte der geduldig vor dem Eingang wartende Bläulich trocken fest und begrüßte seinen Freund Hingstenberg herzlich. Der Professor der Rechtsmedizin ist überregional für seinen Spürsinn und akribische Obduktionen bekannt.
„Der bringt wohl nur den Reisekaffee weg.“
„Sag mal, kommst du auch zum Sommerfest des Standortkommandeurs?“ Bläulich zuckte mit den Schultern.
„Dann werden wir uns doch wohl sehen?“, drängelte der Professor. Doch da tauchte auch schon der Besucher auf. Hingstenberg bot an, zunächst einen kleinen Imbiss zu nehmen. Nebenbei könne man sich ja in den Fall hineinreden. Er war eben ein Mensch, der es gemütlich liebte.
Der Gast war jedoch wenig geneigt und beantwortete das gut gemeinte Angebot auf seine Weise: „Wo haben Sie ihn?“
Also begaben sich die drei Kriminalisten ohne zweites Frühstück direkt in das Untergeschoss des roten Backsteinbaues und betraten unter Hingstenbergs Führung einen kühlen, hell gefliesten Raum. Zwei OP-Lampen an der Decke verbreiteten eindringlich sterile Helligkeit. Nur wenig Mobiliar dämpfte den Hall, man sprach unwillkürlich mit leiser Stimme. In der Mitte des Raumes lag unter einem blassgrünen Laken ein Körper, auf einem Rollwagen daneben ein abgearbeiteter alter Wanderstiefel mit geplatzten Nähten, erheblich mit Erdresten verschmutzt. Aus ihm ragte bizarr der zersplitterte Rest einer Unterschenkel-Prothese, rechts daneben befand sich in einem durchsichtigen Asservatenbeutel alles, was dem Toten zuzuordnen war und vielleicht Bedeutung für diesen Fall haben könnte. Bläulich begann plötzlich zu schniefen, musste heftig niesen und schnäuzte sich geräuschvoll.
„Desinfektionsdämpfe!“, entschuldigte der Professor leise diese ungewollte Störung der Totenruhe. Dann entfernte er das blassgrüne Laken.
Etliche Sekunden blickten die Besucher stumm auf den deformierten zerschundenen Körper eines älteren Mannes. Der ebenfalls zersplitterte Ansatz einer hölzernen Unterschenkelprothese, wie sie in der Nachkriegszeit gefertigt wurde, wies auf Zugehörigkeit des entsprechenden Stummels in dem Wanderstiefel auf dem Rollwagen hin.
Rezension

Klappentext

Ein Mordanschlag hatte sein Gedächtnis und seine Zukunft zerstört, doch Enno findet ins Leben zurück. Offen kümmert er sich um seine neue Familie und beruflichen Erfolg, verdeckt fahndet er nach den Urhebern seines Desasters, als eine schwere Erkrankung abrupt seine Karriere beendet. Er gibt nicht auf, nimmt Hilfe aus seiner Vergangenheit an – und die ist nicht umsonst! Seine Nachforschungen nähren einen schlimmen Verdacht und eines Tages machen Waldarbeiter einen grausigen Fund, doch die Ermittlungen werden überraschend eingestellt.
Packendes Geheimdienstszenario, einfühlsam erzählt. Gänsehaut nicht ausgeschlossen.