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Heim – wärts mit Humor

Autor:
Gertrud Keitel
Verlag:
Fabuloso Verlag
Erscheinungsjahr:
2018
Sonstiges:

140 Seiten
Zeichnungen von Gudrun Strüber
Coverbild von Marianne Voß
Preis 9,80 Euro
ISBN 978-3-945346-68-6

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Oder direkt beim Autor.
Leseprobe
Zahnprobleme Frau Frieda, Ende 80, wohnte bei uns im Heim in einem Doppelzimmer. Irgendwann konnte sie das Bett nicht mehr verlassen. Ihre Mitbewohnerin dagegen war sehr aktiv. Sie lief ständig hin und her und suchte irgendwelche Sachen und Gegenstände zusammen. Nun war eines Morgens die Zahnprothese von Frau Frieda verschwunden. Man suchte zwar, zu finden war aber nichts. „Frau Meier, haben Sie die Zähne von Frau Frieda gesehen oder haben Sie diese vielleicht irgendwohin gelegt?“ „Nein, das würde ich nie tun.“ So ging es weiter. Alle suchten, zu finden war nichts. Frau Frieda lag in ihrem Bett und weinte um ihr schönes Gebiss. Irgendwann reichte es und eine Pflegerin sagte in einem etwas lauten Ton: „Frau Meier, geben Sie jetzt sofort die Zähne von Frau Frieda her, Sie sehen doch, Sie weint schon.“ „Na ja”, meinte diese etwas beleidigt, „die haben mir sowieso nicht gepasst.“ Ein Lächeln Frau Rudel kam an einem Januartag in unser Haus. Als ich sie sah, standen ihre Haare in allen Richtungen von ihrem Kopf ab. „Sie ist depressiv“, sagte die Schwester. „Sie hat allein gelebt. Es gibt absolut keine Familie mehr. Ihre Betreuerin lebt in Hannover. Sie hat noch kein Wort gesprochen. Bitte machen Sie Fußpflege, und zum Frisör soll sie ebenfalls, wenn möglich, gleich.“ Nun, wir machen fast alles möglich. Als ich dann die Füße sah, musste ich schlucken. Mir war klar, dass sie sich schämte. Sie hatte die Hände vor ihr Gesicht geschlagen und ein leises Weinen war zu hören. Ich bat sie, die Hände vom Gesicht zu nehmen – erfolglos. Also begann ich mit der Arbeit. Ich war erstaunt, was für schöne, wohlgeformte Nägel da zum Vorschein kamen. Ganz behutsam nahm ich ihre Hände vom Gesicht „Bitte, sehen Sie sich Ihre Füße an.“ Sie sah tatsächlich zu den Füßen hin. Nun begann ich mit der Massage. „Oh, das tut gut.“ Ganz langsam machte sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit und sie schaute mir zum ersten Mal in die Augen. Als wir beide auf der Station aus dem Fahrstuhl stiegen, kam sofort eine Schwester, denn es war inzwischen Mittagszeit. Ich musste es sagen: „Sie hat gelächelt.“ Nun kam die Stationsschwester: „Was höre ich, sie hat gelächelt?“ Da standen wir nun, drei erwachsene Frauen, strahlten Frau Rudel an und waren einfach froh. Langsam kam auch bei ihr wieder dieses kleine Lächeln zum Vorschein. Die Schwestern stehen unter enormem Druck. Sie haben wenig Zeit für ein Gespräch mit dem Einzelnen. Trotzdem nehmen sie sich Zeit für Zuwendung, für eine liebevolle Geste, für ein gutes Wort, und sie freuen sich über noch so kleine Erfolge. Um Frau Rudel mache ich mir keine Sorge. Sie wird sich öffnen und wieder Vertrauen zu den Menschen fassen. Ich ging zum Fahrstuhl. Was war nur mit meinen Augen los? Na ja, manchmal tränen sie eben.
Rezension

Klappentext

Die Autorin hat in ihrem Alltag Geschichten über ältere und kranke Senioren an ihrem letzten Wohnsitz gesammelt.
Es sind Begebenheiten, über die man schmunzeln kann. Es scheint so, dass gerade bei dementen Personen eine Prise Humor bleibt, wenn sie vor der Erkrankung da war. Freuen wir uns also über die kleinen Ungeschicklichkeiten. Im zweiten Teil schreibt die Autorin mit einem Augenzwinken über Begebenheiten in ihrem Heimatort.
Die Geschichten eignen sich auch zum Vorlesen.

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