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Das Artefakt im Asteroidengürtel

Autor:
Hartmut Großer
Verlag:
AD ASTRA Verlag, Einbeck
Erscheinungsjahr:
2009
Sonstiges:

Taschenbuch
306 Seiten
Preis € 12,80
ISBN 978-3-935439-07-7

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Leseprobe
Summen und Klicken vieler Kontrollinstrumente lag in der Luft. Ticken von Countern und Kratzen einiger Brushrecordernadeln über Fotopapier ertönten. Leise surrten die Ventilatoren in den Computern und den anderen Geräten der Konsolen. Hinten an der Wand pfiffen die Discs der DVD-Rekorder. Dazwischen erfolgten gemurmelte Wortfetzen und abgehackte Gespräche. Irgendwo klingelte es kurz und einer der drei über Fernleitungen gesteuerten Laserdrucker lief an. Das war die Geräuschkulisse der angespannten, erwartungsvollen Atmosphäre, die in dem großen Raum herrschte.

An den Terminals, die in vier Reihen hintereinander installiert waren, arbeiteten konzentriert die Frauen und Männer des NASA-Kontrollzentrums Houston in Texas.

„Gleich ist es soweit, Frank“, gab einer der Techniker heiser bekannt und tastete eine neue Sequenz von Steuerbefehlen über das Terminal ein. „Zielaufnahme für den Endanflug. Die RECON ist eingeschwenkt.“

Der große, hagere Mann in der graublauen Anzugkombination, der hinter dem Sitzenden stand und ihm über die Schulter sah, versuchte erfolglos seine Nervosität zu unterdrücken. Laufend strich er über seine braunen, kurz geschnittenen Haare oder rückte an der Kopfhörer-/Mikrofonspange herum. Genauso wie die anderen Menschen um ihn herum, riss ihn die beinahe unerträgliche Spannung mit.

„Sind alle Steuertriebwerke in Ordnung? Gibt es keine Bahnabweichung?“ fragte er erregt. Seine Hände umkrampften die Lehne des Sessels vor ihm. „Auch keine Fehlfunktion der Messinstrumente oder Telemetriegeräte?“

„Nichts der Gleichen, Frank“, erwiderte der Ingenieur kopfschüttelnd. „Alles ist Okay. Sämtliche Scanner sind aktiviert. Die Laserabtaster des Grafikcomputers müssen jeden Moment die ersten Asteroiden erfassen und darstellen können.“

Unwillkürlich hob Dr. Franklin Tanner, der Leiter des Kontrollzentrums, den Kopf und blickte auf den mehrere Quadratmeter großen Bildschirm an der Frontseite des Saales.

Noch zeigte sich dort der sternenübersäte Raum, wie er von den Videokameras der Raumsonde aufgezeichnet und zur Erde gefunkt wurde.

Entgegen der früheren Annahme, war das Gebiet nicht mit Asteroiden übersät. Dadurch, dass sich der Gürtel zwischen Mars und Jupiter durch das gesamte System zog und auch weiträumig auseinander lag, gab es keine so hohe Konzentration an treibenden Felsbrocken, wie die Wissenschaftler ursprünglich geglaubt hatten.

Bereits vor geraumer Zeit waren von den empfindlichen Weitbereichs-Ortungsgeräten der Sonde mehrere Asteroiden unterschiedlicher Größe erfasst worden.

„Staubpartikel nehmen zu“, meldete einer der Techniker von einem Pult schräg links an der Wand, der an seinen Oszilloscopes und Messgeräten die Außensensoren verfolgte. „Die Felsen scheint eine dichte Staubhülle zu umgeben. Konzentration beträgt jetzt einhundertvierundzwanzig Milligramm pro Kubikmeter. Temperatur der Außenhülle steigt langsam an. Liegt bei minus einhundertdreiundsechzig Grad.“

„Bremstriebwerke gezündet. Für 1,5 Sekunden. Geschwindigkeit jetzt zweihundert Metern pro Sekunde.“ Aus der Stimme Leslie Gordons, des Ingenieurs vor dem Chief, klang Bewunderung. „Die Maschinen der Russen sind wirklich hervorragend.“

„Stimmt“, brummte einer der Männer aus der Gruppe Wissenschaftler, die neben Tanner stand und genauso gespannt wie er auf den großen Bildschirm starrte. „Deshalb haben wir für diese Mission auch unsere neuste Raumsonde genommen.“

Dieser Forschungsflug in das Asteroidenfeld, das erste wirklich große internationale Raumflugprojekt nach der Jahrtausendwende, war eine Gemeinschaftsarbeit aller führenden Industrienationen. Die Russen stellten ihren neusten Raumflugkörper, dessen Konstruktion die Ingenieure auf der Basis der Forschungsergebnisse des CLIPPER MSC, nach dem Neubau des Raumfahrtzentrums bei Moskau aufgenommen hatten, mit einer Zusatzausrüstung von Treibstoff und der Trägerrakete zur Verfügung. Das Space Shuttle CLIPPER war ein europäisch-russisches Gemeinschaftsprojekt zur Versorgung der internationalen Raumstation ISS. Es diente als Basiskonstruktion für dieses Asteroiden-Projekt. Optiken, Elektronik und Laborinstrumente stammten von Unternehmen, die mit der ESA zusammenarbeiteten, alle Ortungsgeräte mit den entsprechenden Antennen und Tuner lieferten die Amerikaner, genauso wie die Telemetrieanlagen, während die Japaner sich für die Computer und sonstige elektronische Ausrüstung zuständig zeichneten. Russische Bremstriebwerke in Flugrichtung und starke Steuerdüsen vervollkommneten die modifizierte Konstruktion.

Insgesamt dauerte das Gemeinschaftsprojekt schon drei Jahre. Nach dem Start von Zone01, dem neuen russischen Raumfahrtzentrum, ging die RECONSIDERATION, so nannte man die unbemannte Sonde, in eine Orbitalbahn, die durch die gemeinsam von allen Nationen betriebenen Raumstation eingenommen wurde. Dort installierten die Techniker unter der Leitung des houstoner Kontrollzentrums und der russischen Leitstelle Moskaucontroll eine starke Raketenstufe an dem Raumflugkörper, um genügend Anfangsgeschwindigkeit zu erzeugen. Den Treibstoff, den der umgebaute Orbiter in Zusatztanks mitführte, benötigte er, um im Asteroidenfeld manövrieren zu können. Sonnensegel für die Stromversorgung brachte man nicht an, dafür besaß die Sonde einen neuartigen Minireaktor, der die Geräte an Bord für fast fünfhundert Jahre mit Strom versorgen konnte. Damit war die Technik noch leistungsfähig, auch wenn der mitgeführte Treibstoff bereits längst verbraucht war.

Heute schrieb man den 17. Januar 2018. Für die Erforschung des Weltraums bedeutete das ein denkwürdiges Datum.

„Nur schade, dass wir die Sonde nicht direkt steuern können“, murrte der selbe Mann in seinem harten Englisch.

Groß und wuchtig, wie er gebaut war, ließ er durch seine Bewegungen auf einen Vergleich mit einem tapsigen, gutmütigen Bären schließen. Auch seine polternde Art zu sprechen hätte zu diesem Eindruck beigetragen, wären da nicht die Augen gewesen. Intelligent und durchdringend blickten sie den vor ihm stehenden Leiter des Kontrollzentrums an. Allerdings ging der Blick allmählich nach innen. Tief in Gedanken fuhr er sich durch den wilden, grauen Vollbart, der beinahe das ganze Gesicht bedeckte und in das halblange, wirre Haupthaar überging.

„Das ist leider nicht möglich, Professor Wassilew“, feixte Gordon und hob kurz den Kopf. „Die Funkwellen brauchen fast zwanzig Minuten, bis sie die RECON erreichen. Das bedeutet, es gibt keine Reaktionen auf unvorhergesehene Ereignisse. Lassen wir unsere Computer doch selbst steuern und geben ihnen nur die grobe Richtung an.“

„Das ist mir alles bekannt, Leslie“, murrte der massige Russe ungeduldig und kraulte weiterhin den dichten Filz unter dem Kinn. Er schaute hinüber, wo die elektronische Karten den derzeitigen Kurs der Sonde in dem Asteroidengürtel mitzeichneten. „Trotzdem sollten wir langsam was zu sehen bekommen. Wir sind schon tief genug eingedrungen.“

„Nur Geduld, Professor“, beruhigte ihn der Chief, obwohl er sich selbst kaum bezähmen konnte. „Gleich ist es soweit.“

„Kontakt“, meldete eine Stimme von weiter vorn an den Scannern. „Trümmerfeld im Sichtbereich der Laser. Es sind auch größere Brocken darunter.“

Ruckartig hoben alle Beobachter den Kopf und blickten gespannt auf den großen Wandbildschirm.
Rezension

Klappentext

In den zwanziger Jahren nach der Jahrtausendwende werden von allen Nationen neue gemeinschaftliche Weltraumprojekte konzipiert. Eines davon ist die Suche nach Ressourcen im Asteroidengürtel. Dort entdeckt eine Sonde etwas Unglaubliches.

Kurzerhand wird die vorgesehene Marsmission zur Untersuchung des gefundenen Objektes umdirigiert. Allerdings läuft nicht alles nach Plan, denn eine verbrecherische Organisationen verfolgt eigene Ziele. So wird das Unternehmen für die Astronauten zu einer lebensgefährlichen Aufgabe.