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Seltsame und allegorische Erzählungen / Narraciones extrañas y alegóricas

Autor:
Dr. Esther Morales-Cañadas
Verlag:
Bilshausen Fabuoso Verlag
Erscheinungsjahr:
2017
Sonstiges:

HC., 375 S.;
Preis: 20,80 Euro
ISBN 978-3-945346-62-4

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Leseprobe
Seite 16 … Als sie von ihrem Schlummer erwachte, machte sie sich daran, mit dem Lehm des Ufers etwas zu formen. Der Lehm aber war noch sehr weich und das Einzige, das ihr gelang, war ein Phallus, der dem Boden zu entsteigen schien. Die Nacht umfing sie und wieder einmal suchte sie Schutz in der Unsichtbarkeit ihres Schöpfers. Und wieder träumte sie und steigerte sich in das Verlangen hinein, einen Jüngling zu besitzen, der ihr gliche. Sie fühlte die Notwendigkeit, lieben zu können. Ja, das war es, was sie ersehnte, jemanden zu haben, den sie lieben und dem sie sich mit Körper und Seele hingeben konnte. So kehrte sie am folgenden Tag zurück zum Fluss und entdeckte, dass sich unterhalb des Phallus zwei Vorgebirge entwickelt hatten, die Beinen ähnelten und ein bisschen weiter oben waren die Formen zweier Arme ansatzweise zu erkennen. Sie berührte zärtlich die neuen Formen, küsste den Phallus und begann wieder zu träumen. So vergangen ein paar Tage, bis letztendlich aus dem Phallus ein frischer, schöner Jüngling geworden war. Dieser erwachte in einem bestimmten Moment aus seiner Lethargie. Er erhob sich, betastete seinen Körper und ging sofort zum Fluss, um sich in dessen Wassern zu betrachten. Er sah sich mit großer Befriedigung an. Eva beobachtete ihn mit leuchtenden Augen. Ihr Herz schlug so stark und praktisch ohne es zu bemerken, stürzte sie sich auf den Jüngling. Sie umarmte und küsste ihn und in weniger als einem Hahnenschrei machten sie schon Liebe. Sie nannte ihn Adam, was so viel wie ‚erster Mann‘ heißt. Äußerst zufrieden mit ihrem Werk schlüpfte sie in die Rolle des Schöpfers und wollte der Führer und Lehrer ihres jungen Schmuckstücks sein. Sie nahm ihn bei der Hand, führte ihn durch den wunderschönen Garten und erklärte ihm alle Einzelheiten. Adam hörte ihr zu – oder tat wenigstens so. – In Wahrheit schritt er umher wie ein Pfau und glaubte sich als Eroberer. Er folgte seinem enormen Phallus, der ihm den Weg öffnete und jedes Mal, wenn er an einem See oder Fluss vorbeikam, betrachtete er sich im Wasser und bewunderte seine eigene Schönheit. … Inhaltsverzeichnis Vorwort 1. Die Erschaffung des Menschen 7 2. Von Entstehen und Überleben: – Auch, wenn ich nicht ankam, bin ich bei euch 24 – Das Wesen, welches das Wasser hasste 28 – Die kurze Reise 34 3. Über die menschliche Liebe und ihre Konsequenzen oder ‚ihr Leben‘ – Die Metamorphose eines Satyrs 48 – Mein Leben mit Soledad 69 – Die kurze Liebesgeschichte des ‚Du und Ich‘ 108 – Die nicht existierende Hölle oder das schmerzvolle Gespräch dreier Männer und nachher einer mehr 110 – Erkenntnis aus der Höhe 127 4. Über andere Angelegenheiten: – Und ich fuhr nach Europa 129 – Die Geburt Jesu am Ende des 21. Jahrhunderts 142 – Wie der ‚Weinnachtsmann‘ in mein Leben trat / Biographische Angabe am Rande 163 5. Antwort auf eine Frage: – Der Bau eines Tempels oder die Rückkehr der Blaumeisen 168 – Der Wanderer, der Mann und der Eisbär/Allegorie des Verlangens nach dem Glück 173 – Die Frage auf dem Maisfeld 183 6. Schlussgebet: – ‚Stabat … dolorosa‘ 186
Rezension
Das von der aus Sevilla stammenden und seit 1980 in Deutschland lebenden promovierten Musikwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin, Künstlerin, Cemba­listin und Schriftstellerin Dr. Esther Morales Cañadas vorgelegte Buch besticht bereits auf den ersten Blick durch die zahlreichen originellen und liebevoll gestalteten Illu­strationen der Autorin. Eine gewisse Schwermut, die bei vielen Bildern erkenn­bar ist, lässt zu Recht vermuten, dass es sich bei den allegorischen Erzählungen nicht um unterhaltsame und spannende Kurzgeschichten handelt, sondern um sehr tiefgründige Betrachtungen, oft traurig und melancholisch, aber vielfach auch mit aufklärenden und manchmal auch tröstenden Ausblicken. Die sechzehn kürzeren und längeren Beiträge beruhen auf wahren und teilweise auch schmerzlichen persönlichen Erfahrungen. Wie die Autorin im Vorwort schreibt, hat ihr die literarische Bearbeitung der Begebenheiten geholfen, die damit verbundenen Leiden zu mindern und zur Regeneration einer verwundeten empfindsamen Seele beizutragen. Der besondere Wert der Sammlung besteht in der Verwendung von Allegorien, also in der Darstellung bzw. Übersetzung abstrakter Begriffe durch Personifikationen, was in manchen ähnlichen Vorhaben eher konventionell oder sogar klischee­haft (zum Beispiel ‚Liebe’ als Engel oder Herz, oder ‚Tod’ als Skelett mit Sense) geschieht, hier jedoch subtiler, individueller, komplexer und tiefgründiger erfolgt. So erscheint Gefühltes und Gedachtes, etwa die Einsamkeit (spanisch: Soledad) als schöne Frau oder die Liebe zur Mutter und Familie als Wasser. Das in der gängigen Sprache nur schwer oder kaum Vermittelbare wird bei einer Allegorie in ein Bild übertragen, dessen Sinn sich intuitiv durch Einfühlen und Nachfühlen erschließt oder – mit den Worten der Autorin: „(Die Allegorie) ist ein kognitives Instrument, welches die abstrakten Ideen der eigenen Gefühle verbildlicht und dadurch fassbar macht“. Die auf diese Weise entstandenen ‚bildlichen Reden’ ermöglichen also einen besseren und unmittelbareren Zugang. Die Erzählungen verteilen sich auf sechs Abschnitte. Der erste ‚Die Erschaffung des Menschen’ stellt eine originelle Variante der Schöpfungsgeschichte dar: Gott, der – im Gegensatz zu Genesis 2, 18-24 – zunächst Eva erschaffen hat, erfährt in der Auseinandersetzung mit ihr die Unzulänglichkeiten seines Werkes und insbesondere die Vernachlässigung ihrer Bedürfnisse (bzw. die von Frauen generell). Als Abhilfe stellt er ihr den Adam zur Seite, der sich aber als stumpfes und liebesunfähiges Wesen erweist und an der Welt, wie wir sie heute kennen (und damit am Verderben der Schöpfung), wesentlichen Anteil hat. Daraus folgt das ernüchternde Fazit „Wenn Gott auch eine schöne Welt und menschliche Wesen nach seinem Bilde erschaffen wollte, was für seine selbstlose Liebe spricht, so hat er doch nicht die Macht dieser Wesen kontrolliert, und sie sind ihm entglitten und letztendlich mächtiger als seine Heiligkeit geworden.“ Die weiteren Abschnitte des Buches tragen die Titel ‚Vom Entstehen und Überleben’, ‚Über die menschliche Liebe und ihre Konsequenzen oder ihr ‘Leben’’, ‚Über andere Angelegenheiten’, ‚Antwort auf eine Frage’ und ‚Schlussgebet’. Es fällt schwer, einzelne Geschichten besonders hervorzuheben, doch haben mich neben der ‚Erschaffung des Menschen’ die Erzählungen ‚Das Wesen, welches das Wasser hasste’, ‚Die kurze Reise’, ‚Mein Leben mit Soledad’, ‚Die kurze Lie­besgeschichte des DU und Ich’, ‚Der Bau eines Tempels oder die Rückkehr der Blaumeisen’ und ‚Der Wanderer, der Mann und der Eisbär/Allegorie des Verlangens nach Glück’ am meisten berührt. Die nicht immer gleich und mühelos, dafür aber um so nachhaltiger zu erfassenden Aussagen und Anliegen lassen – neben den verklausulierten und allegorischen Schilderungen schmerzlicher Erfahrungen – ein großes Maß an Menschlichkeit, Aufrichtigkeit, Liebe, Reife und Weisheit erkennen. Sie zeigen, dass leidvolle Erfahrungen nicht zwingend zu Resignation und Verbitterung führen müssen, sondern sowohl zur eigenen Freiheit beitragen als auch zu einem umfassenderen Verständnis von Liebe einschließlich der Akzep­tanz und Liebe zu sich selbst gelangen lassen. Die Inhalte hier anzudeuten oder auch kurz wiederzugeben, würde ihnen nicht gerecht werden, denn die Erzählungen verdanken ihren Wert und Reiz vor allem der besonderen Darstellungsweise und Sprache der Autorin. Für Leser, die vorhandene Spanischkenntnisse auffrischen oder verbessern wollen, ergibt sich durch die Zweisprachigkeit noch ein zusätzlicher Wert. Ein Wermutstropfen dabei ist allerdings, dass die spanische Fassung sämtlicher Erzählungen der deutschen Fassung insgesamt folgt, anstatt dass bei jeder Erzählung der deutschen jeweils die entsprechende spanische Seite gegenüberliegt. Diese drucktechnisch (und damit kostenmäßig) nachvollziehbare Einschränkung der Praktikabilität für Sprachinteressierte tut dem Gesamtwerk jedoch keinen Abbruch. Als Fazit bleibt, dass es sich bei den ‚Seltsamen und allegorischen Erzählungen’ um ein irgendwie trauriges, aber vor allem auch weises und lieb­enswertes Buch für nachdenkliche und empfindsame Menschen handelt, dessen Wert sich bei jedem Lesen aufs Neue erschließt. Dr. Walter Kiefl

Klappentext

Die Allegorie ist eine Art den anderen zu vermitteln, was in normalen Sprachen nicht verständlich ist. Es ist, so zu sagen, ein kognitives Instrument, welches die abstrakten Ideen der eigenen Gefühle verbildlicht und dadurch fassbar macht.
Also ist diese Sammlung von Erzählungen, die Umsetzung in schriftlicher Form, der Erlebnisse der Autorin in Schmerzsituationen, in Momenten der Wahrnehmung des menschlichen oder sozialen Verhaltens, der eigenen inneren Kämpfe, aber auch der Versuch und die Mühe am Leben zu bleiben. Sie beinhalten das Geheimnisvolle der Märchen, das Schleierhafte der Mythologie, aber auch die zwanglose Kritik, sowie ein Hauch von Autobiographie.

La alegoría es una forma de dar a entender a los demás lo que en lenguaje normal no sería captado. Es, por tanto, un instrumento cognoscitivo que transporta ideas abstractas de los sentidos individuales al plano del razonamiento general.
Esta colección de narraciones es, pues, la translación a la expresión escrita de vivencias de la autora en momentos de dolor, de observación del comportamiento humano o social, de luchas interiores como también de búsquedas y deseos por mantenerse en vida. Contienen en sí el secreto del cuento, el velo mitológico, pero también el desenfado de la crítica, así como un vestigio autobiográfico emocional.
Version auf Deutsch im ersten Teil

Versión en español en la segunda parte