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Am Abgrund

Autor:
Dr. Walter Kiefl Monika Sieger
Verlag:
Escritor Verlag, Bad Schwalbach
Erscheinungsjahr:
2004
Sonstiges:

Taschenbuch
247 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-934708-18-1

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Leseprobe
Leben nach dem Überleben.
Erfahrungen und Betrachtungen eines schwerverletzten Attentatopfers

Für viele überlebende Opfer von Gewaltverbrechen stellt die erlittene Straftat nur die erste Etappe in einem langen – oft lebenslänglichen – Leidensweg dar. Abgesehen von dauerhaften körperlichen Schäden und den damit einhergehenden Beeinträchtigungen tragen die Prozesse der sogenannten „sekundären Viktimisierung“ (1) zu einer einschneidenden und häufig dauerhaften Beeinträchtigung der Lebensqualität bei. Staat, Gesellschaft, Justiz und Leistungsträger (Versicherungen, Versorgungsämter, Berufsgenossenschaften) verhalten sich hier nicht nur weitgehend indifferent, sondern sind mitunter selbst „aktiv“ an einer weitergehenden Bedrückung und Zermürbung der Opfer beteiligt. Die nachfolgend skizzierte Fallgeschichte, die in unserem Buch ausführlich beschrieben ist (2), belegt auf eindringliche Weise die Gültigkeit des „Matthäus-Prinzips (3) bzw. die Fragwürdigkeit der immer noch weit verbreiteten (weil beruhigenden) Auffassung, daß Justiz und Sozialstaat ein ernsthaftes Interesse an der Kompensation erlittenen Unrechts haben.

Vorgeschichte: Vor fast 20 Jahren hat ein bereits auffällig gewordener gemeingefährlicher Psychopath ein Säureattentat auf die damals 32jährige Geschäftsführungsassistentin Simone W. auf ihrem Heimweg von der Arbeit verübt. Simone überlebte schwerverletzt und hat seither unter erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen – insbesondere bezüglich ihrer Sehkraft – und Abhängigkeit von Ärzten und Medikamenten zu leiden. Ihre vielversprechende Berufskarriere wurde jäh und dauerhaft unterbrochen, was sich auch in erheblichen finanziellen Einbußen (seit dem Überfall und zukünftig bei der Rente) und dem Verlust ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit bemerkbar macht. Ebenso belastend haben sich jedoch auch die Voreingenommenheit der Polizei, die Indifferenz der Justiz, die Schikanen der Leistungsträger, die Gefühllosigkeit und Willfährigkeit von Ärzten, Gutachtern und Therapeuten und die Gleichgültigkeit und Verdrängungsbereitschaft der Gesellschaft insgesamt sowie die vielfältigen, direkt oder indirekt auf das Verbrechen und seine Folgen zurückgehenden Beeinträchtigungen im Alltagsleben ausgewirkt.

Im Folgenden wollen wir die einzelnen Beiträge zur Opferkarriere skizzieren.
Rezension

Klappentext

Die Geschichte eines Gewaltverbrechens und dem,
was danach kam …

jährlich werden in Deutschland fast 200.000 Gewaltdelikte verübt. Einige enden für die Opfer tödlich, andere lassen langdauernde körperliche und seelische Schäden zurück, von finanziellen Einbußen und dem Verlust an Lebensqualität gar nicht zu reden. Opferschutz und Opferhilfe – eigentlich selbstverständliche gesellschaftliche und staatliche Verpflichtungen – sind immer noch unzureichend. Besonders beschämend ist, dass das Leid vieler Betroffener mit der Tat und ihren unmittelbaren Folgen noch lange nicht zu Ende ist. Polizei, Justiz, Medien sowie Versicherungen und andere Leistungsträger tragen teils unabsichtlich, teils billigend dazu bei, das Leben nach dem Überleben noch zu erschweren.

Da das Schicksal von Verbrechensopfem ein für Politik, Rechtswesen und Öffentlichkeit unbequemes und beunruhigendes Thema ist, werden ihre vieltausendfachen Leiden gerne verdrängt und bagatellisiert bzw. auf blut? und seelenlose Statistiken reduziert.

Das vorliegende Buch will dem entgegenwirken. Es schildert anhand eines authentischen Einzelfalles die Leidensgeschichte einer jungen Frau, die von einem geisteskranken Rückfalltäter schwer verletzt wurde und seitdem einen zeitweise fast aussichtslos erscheinenden Kampf um Rehabilitierung und Wiedergutmachung führt.

Ungeachtet der hier beschriebenen und teilweise skandalösen Vorgänge sollen damit Opfer von Gewaltverbrechen ermutigt werden, sich nicht mit deprimierenden Gegebenheiten und Beschwichtigungen abzufinden, sondern aktiv an einer Verbesserung der Opfersituation mitzuwirken.