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„Oben ohne“

Autor:
Dr. Walter Kiefl Marina Marinescu
Verlag:
Escritor Verlag, Bad Schwalbach
Erscheinungsjahr:
2003
Sonstiges:

Taschenbuch
301 Seiten
Preis 22,95 €
ISBN 978-3-934708-20-4

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Leseprobe
S. 94:

Wenn auch die entscheidenden Voraussetzungen einer lockereren Einstellung zum un- bzw. wenig bekleideten Körper zuhause gelegt worden waren, kam dem sich seit Ende der 1960er Jahre immer rasanter entwickelnden Flugtourismus zu den Stränden am Mittelmeer die Funktion eines Katalysators zu. In der Fremde, wo die soziale Kontrolle der im „normalen“ Alltag wichtigen Mitglieds- und Bezugsgruppen fehlt, scheinen sozial und kulturell weniger akzeptable Strebungen leichter erfüllbar, und so bedeutete „Verreisen“ schon damals nicht nur die Überwindung räumlicher Begrenzungen sondern – vielleicht noch mehr – die zeitweilige Befreiung von Alltagszwängen, Tabus und Routinen. Dies galt auch für Zielgebiete mit einer damals noch überwiegend konservativen Bevölkerung. Der Urlaub erfüllte damit – wie z.B. der Karneval – die Funktion einer Ventilsitte, d.h. eines institutionalisierten Auswegs für „unstatthafte“ Bedürfnisse, die normalerweise im Interesse eines konffliktarmen Miteinanders unterdrückt werden. Als Touristinnen entdeckten, dass an manchen Urlaubsorten ihr zuhause oft nicht akzeptiertes Verhalten bereits von einer ausreichend großen Minderheit praktiziert wurde, ergab sich auch für manche zunächst Zurückhaltende ein Anreiz, sich den Mutigen, Freizügigen und Koketten anzuschließen, zumal die Risiken gering waren.
Rezension

Klappentext

oder das unsichtbare Kostüm

Eine Untersuchung über Motive und Ursachen der Liberalisierung der Bademode und über die Wahrnehmung, Befolgung, Übertretung und Sanktionierung diffiziler Regeln der tolerierten Enthüllung.

Das sich seit Ende der 60er Jahre in größerem Umfang durchsetzende Baden ,,oben ohne“ lässt sich als Ausdruck eines sozialen, gesellschaftlichen, bewusstseinsmäßigen und sexuellen Wandels begreifen. Mittlerweile scheint eine Gewöhnung an eine zunächst bekämpfte Neuerung stattgefunden zu haben, doch wird bei näherer Betrachtung deutlich, dass es sich dabei nur um eine begrenzte Akzeptanz handelt. Ergebnisse von Interviews, Beobachtungen und Feldexperimenten vermitteln ein differenziertes Bild der entsprechenden gesellschaftlichen Einstellungen und Reaktionen, wird doch hinter einer nur vordergründigen Liberalisierung ein komplexes System von zugemuteten und verinnerlichten Einschränkungen und Grenzen (räumlich, sozial, situational) sichtbar, deren Nichtbeachtung mehr oder weniger subtile Sanktionen nach sich ziehen kann.

Die Arbeit befasst sich u. a. mit:

Ursachen und Motiven der gesellschaftlichen Ächtung
von Nacktheit in der Öffentlichkeit;
Der weiblichen Brust zwischen Begierde und Abscheu;
Der Enttabuisierung und Banalisierung des unbekleideten
Körpers;
Motiven und Argumenten für und gegen ,,oben ohne“;
Der informellen ,,Oben ohne“- Etikette am Strand und im
Bad.

Taunusstein: Escritor Verlag, 2. völlig neubearbeitete Auflage 2003, 301 S.;
Preis: 22,95 Euro (978-3-934708-20-4)